Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Robin Celikates und Eva Engels. Angst gehört zum menschlichen Leben wie die Luft zum Atmen. Sie schärft unsere Aufmerksamkeit für potentielle Gefahren, weshalb wir gut beraten sind, unsere Ängste und Befürchtungen ernst zu nehmen. Aber wie soll der Rechtsstaat auf Ängste seitens der Bevölkerung etwa vor dem Terrorismus oder vor der Gentechnik reagieren? Dieser Frage sowie dem prekären Verhältnis zwischen Ängsten, Gefahren und dem Recht widmet der amerikanische Rechtsphilosoph Cass R. Sunstein seine vielbeachtete Seeley Lecture, aus der dieses Buch hervorgegangen ist.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das sogenannte Vorsorgeprinzip, das zunehmend an politischem Einfluss gewinnt und mit dem Regierungen ihren Anspruch legitimieren, auf allen gesellschaftlichen Ebenen gegen potentielle Gefahren vorbeugen zu können und zu dürfen - auch wenn keineswegs immer ausgemacht ist, dass diese überhaupt jemals zu einer realen Bedrohung werden. Anhand zahlreicher aktueller Beispiele weist Sunstein nach, dass dieses Prinzip nicht nur unhaltbar ist, sondern auch neue Gefahren birgt. Unhaltbar ist es, weil es auf der Illusion einer risikofreien Gesellschaft beruht; gefährlich ist es, weil es einer Gesetzgebung Vorschub leistet, die die Freiheitsrechte der Bürger erheblich beschneidet und je nach politischem Kalkül bestimmte Ängste, etwa vor terroristischer Bedrohung, forcieren, andere hingegen, z. B. vor der Umweltzerstörung, herunterspielen hilft.
Sunstein plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit sogenannten Worst-Case- Szenarien, entwirft ein Modell zur realistischen Beurteilung von Risiken und zeigt, wie freie Gesellschaften vernünftig mit realen und nur gefühlten Bedrohungen, mit dem unauflösbaren Widerspruch zwischen Sicherheit und Freiheit umgehen können, ohne die Grundrechte der Bürger zu opfern.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2007
Erhellend scheint Michael Schefczyk dieses Buch über unseren Umgang mit Risiken, die Cass R. Sunstein vorgelegt hat. Im Mittelpunkt der Arbeit sieht er eine Analyse der Ursachen, die einen vernünftige Kalkulierung und Regulierung von Gefahren verhindern. So werde etwa bei politischen Regulierungen oder persönlichen Entscheidungen häufig übersehen, dass die Vermeidung von Kosten und Gefahren immer mit Kosten und Gefahren verbunden ist. Als Ursachen für den zunehmend nicht-rationalen Umgang mit Risiken mache der Autor neben Angst Faktoren wie die Vernachlässigung gewohnter gegenüber neuen Risiken und die Missachtung von Wahrscheinlichkeiten und systemischen Zusammenhängen zwischen Risiken aus. Besonders hebt Schefczyk zudem Sunsteins kritische Auseinandersetzung mit der Risikopolitik in Europa und der USA hervor, wo die Herrschaft der Angst zunehmend zu einem hysterischen Umgang mit Gefahren führt, was sich - Stichwort Terrorbekämpfung - etwa in der Aushöhlung der Bürgerrechte niederschlägt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007
Als Kritik am Umgang der heutigen Politik mit dem Risiko begreift der Jurist und Politologe Cass R. Sunstein seine Schrift. Die "Vorsorgestaaten" von heute tendierten dazu, Risiken selektiv wahrzunehmen und ihre Wahrscheinlichkeiten falsch einzuschätzen - oft genüge schon der "plausible Verdacht" zum Ergreifen allzu weitreichender Vorbeugemaßnahmen. Sunstein hat Dutzende psychologischer Studien gelesen und zieht aus ihnen den Schluss, dass die Fixierung auf "Schadensgrößen" zu falschen Bewertungen führe. Als Lösung schlägt Sunstein verstärkte "Kosten-Nutzen-Analysen" sowie einen "libertären Paternalismus" vor, der begründete Vorschläge macht, ihre Ablehnung aber zulässt. Problematisch findet der Rezensent Jürgen Kaube freilich, dass Sunstein gelegentlich selbst weniger libertär und eher als "wohlwollender Diktator" auftrete.
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