Bücherschau der Woche
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Klappentext
1986, im Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, publizierte Ulrich Beck "Risikogesellschaft". Der in mehr als dreißig Sprachen übersetzte Klassiker der soziologischen Zeitdiagnostik gilt inzwischen als die Analyse, die ihre Zeit auf den Begriff bringt. Nicht erst seit dem 11. September 2001 ist klar: Wir sitzen alle im weltweiten Gefahrenraum. Die Potentiale der Weltrisikogesellschaft - destruktive wie auch konstruktive - lotet Beck in seinem neuen Buch aus.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2007
Zunächst hat Rezensent Arno Widmann dieses Buch recht ungeduldig gelesen. Vierzig Seiten, fünfzig, hundert - und Ulrich Beck ist immer noch nicht zur Sache gekommen. Bis Widmann aufgeht, dass dies auch den Rest des Buches über nicht der Fall sein wird. Nicht dass Widmann dadurch Becks "unsystematische Argumentation" und die "selbstverliebten" Bezügen auf den eigenen Klassiker "Risikogesellschaft" angenehmer geworden wären, doch sein Blick auf das Buch ändert sich. Er liest es bald nicht mehr als Reflexion über die globale Gesellschaft, sondern als den Versuch eines "mitten im Handgemenge" stehenden Soziologen, einen Standpunkt außerhalb zu finden. Und schließlich begreift Widmann, dass "Reflexion" nicht mehr ist als eine "Form" ist, die der Reflex unter bestimmten Bedingungen annimmt". Das thematisiere Beck auch, schließt Widmann zweideutig, vor allem aber führe er es vor.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2007
So leicht geht Christoph Möllers dem Autor nicht auf den Leim. Ihn beschäftigt die Frage, warum Ulrich Beck sein Thema der "Risikogesellschaft" erneut auflegt. Im Buch selbst wird Möllers nicht fündig. Die angeblich "epochale" Wende zur "kosmopolitischen Risikogemeinschaft" lässt den Rezensenten kalt. Trotz aller Emphase seitens des Autors, der sogar einen "hysterischen Ton" nicht scheut, gegen den die enthaltenen terminologischen Exkurse laut Möllers einen schweren Stand haben. So wenig das angekündigte Neue in diesem Buch für Möllers sichtbar wird, so schillernd erscheint ihm der Begriff des Risikos selbst. Dass Beck ihn nicht klar zu fassen vermag, sondern ihn mit den verschiedensten gesellschaftlichen Phänomenen verbindet, findet Möllers nicht eben hilfreich. So erklärt sich die "Weltrisikogesellschaft" für ihn vor allem aus der Werkbiografie ihres Autors.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2007
Als nicht wirklich gelungen, an mancher Stelle gar als gescheitert betrachtet Rezensent Volker Heins das neue Buch von Ulrich Beck. Grundsätzlich scheint es ihm von Becks Anstrengung getrieben zu sein, seine alte Theorie der Risikogesellschaft in der Welt von heute noch mal zu bestätigen, weshalb er "ganz unterschiedliche Übel" ins Korsett seines "Risikokonzepts" zwinge. Hier notiert der Rezensent zwar auch kleine Neuerungen und sinnvolle Erweiterungen. Aber er registriert auch genervt den "landestypischen" Antiamerikanismus, und eine, ihm nicht wirklich einleuchtende Terrorismustheorie. Insgesamt kommt ihm das Buch des Soziologen zur Weltrisikogesellschaft aber weniger wie die Ausformulierung einer Weltgesellschaftstheorie, sondern mehr wie eine "Universalformel mit Weltbildcharakter" vor.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2007
Mit herber Kritik bedenkt Rezensent Gert G. Wagner das neue Werk des Soziologen Ulrich Beck. Zwar schätzt er die Essays des Autors in den Feuilletons der großen Zeitungen. Aber mit den 400 Seiten "Weltrisikogesellschaft" weiß er nicht viel anzufangen. Er betrachtet das Buch als Sammelsurium von Thesen und Ideen, für die allzu oft jeder empirische Beleg fehlt. Zudem nervt ihn die ständige Wiederholung der Grundthese, heute gebe es mit globalem Terrorismus, internationalen Finanzkrächen, entfesselter Gentechnologie und dem Klimawandel mehr Gefahren und Risiken als jemals davor in der Weltgeschichte, zumal ihm diese These nicht gerade originell erscheint. Außerdem hätte sich Wagner mehr empirische Analysen und tiefer gehende Erläuterungen gewünscht und weniger "sperrige Begriffe" wie "linearer Fortschrittspessimismus" oder "Diskurs-Koalitionen". Überflüssig scheinen ihm auch die Bemerkungen Becks zur deutschen Soziologie, die er für "wenig aussagekräftig" hält. Und schließlich befindet Wagner, dass auch ein strengeres Lektorat dem Buch zum Vorteil gereicht hätte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2007
Einen differenzierten Blick wirft Martin Meyer auf Ulrich Becks Werk über die "Weltrisikogesellschaft". Der Autor liefert darin seines Erachtens nicht nur instruktive Analysen der Risiken der internationalen Finanzmärkte, der globalen Umweltzerstörung und des weltumspannenden Terrorismus für die sozialen und wirtschaftlichen Systeme, sondern plädiert auch für eine grundlegende Neuausrichtung der Politik und die Ausbildung eines Weltbürgertums. Auffällig findet Meyer die für seinen Geschmack etwas zu dramatischen Katastrophenszenarien, die Beck inszeniert. Der Soziologe Beck wirkt auf ihn immer wieder wie ein Prophet des Untergangs. Auch hätte er sich etwas weniger Polemik gewünscht. Er hält dem Autor vor, die Kräfte der Selbsterneuerung, die im Verstand aufgeklärter Modernität am Werke seien, zu unterschätzen, die Macht der Emotionen zur Mobilisierung der Menschheit aber zu überschätzen. Etwas unausgegoren scheint ihm zudem der Mix aus hochabstrakter soziologischer Analyse und der "Prosa des Rufers in der Wüste".
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