Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Elif Shafak

Der Bastard von Istanbul

Roman

Cover: Der Bastard von Istanbul

Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN-10 3821857994
ISBN-13 9783821857992
Gebunden, 440 Seiten, 22,90 EUR

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Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Juliane Gräbener-Müller. Armanoush ist 19 Jahre alt, intelligent, schön und unglücklich. Seit der Scheidung ihrer Eltern lebt sie in zwei Welten, die einfach nicht zusammenkommen wollen: Ihre Mutter Rose verwöhnt sie in Arizona mit dem American Way of Life, während die Familie ihres armenischen Vaters in San Francisco ihr die Traditionen der alten Heimat nahebringen will - um so mehr, weil Armanoushs Mutter in zweiter Ehe ausgerechnet mit Mustafa verheiratet ist, einem Türken! Je älter Armanoush wird, desto weniger weiß sie, wer sie wirklich ist: eine amerikanische Armenierin oder eine armenische Amerikanerin? Armanoush entschließt sich zu einer Reise in die Vergangenheit und besucht die türkische Familie ihres Stiefvaters in Istanbul. Und weiß bald nicht mehr, worüber sie sich mehr wundern soll: die herzliche Gastfreundschaft im Haus der Kazancis, die skurrilen Charaktere seiner ausschließlich weiblichen Bewohner oder die völlige Ignoranz gegenüber der türkisch-armenischen Geschichte. Nur das jüngste Mitglied der Familie, die vaterlos aufgewachsene Asya, kann verstehen, warum Armanoush so viele Fragen stellt ...

Leseprobe beim Perlentaucher

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2007

Oberflächlich gesehen dreht sich Elif Shafaks Roman "Der Bastard von Istanbul" um den Völkermord an den Armeniern durch die Türken, weshalb sie auch in der Türkei angeklagt wurde, und von einer inzestuösen Vergewaltigung, erklärt Gustav Falke. Die Autorin bringt die Eigenarten der Armenier und der Türken mit den Chiffren "Selbstmitleid" und "Selbsthass" auf einen Punkt, die dem Rezensenten etwas zu flach vorkommen. Überhaupt wirkt Falke insgesamt unzufrieden: die Familiengeschichte findet er zu verzweigt. Den Vergewaltiger als Produkt einer vom despotischen Vater unterdrückten Mutter, die ihn zu sehr verwöhnt hat, findet der Rezensent gut ausgedacht, aber nicht überzeugend erzählt. Ebenfalls wundern muss er sich über die ungenauen Referenzen an türkische Topografie und Lebensweise, obwohl er der Autorin ihre genaue Kenntnis von Istanbul beispielsweise genau anmerkt. Trotzdem sei der Roman im Innern "türkischer", als die Autorin glaube, meint Falke, der das spezifisch Türkische in den patriarchalen Familienstrukturen und deren Folgen für die Geschlechteridentität der Protagonistinnen sieht, die die in Arizona Gender Studies lehrende Autorin nachzeichnet. Aber offenkundig kann das Buch Falke nicht begeistern, wobei er sich zusätzlich über die holprige Übersetzung und die fehlerhafte Transkription türkischer und armenischer Namen und Wörter geärgert hat.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.08.2007

Einigen Ärger - genauer gesagt eine Anklage wegen "Herabsetzung des Türkentums" - hat sich die Autorin mit diesem Roman eingehandelt, in dessen Zentrum eine alles andere als gewöhnliche türkische Familie steht. Die junge Heldin Asya lebt, Haschisch rauchend, Johnny Cash hörend, in Istanbul, mit einigen durchgeknallten Tanten und einer Mutter, die nicht verrät, wer Asyas Vater ist. Dann kommt aus den USA Armanoush zu Besuch, eine Verwandte, die etwas über ihre armenische Großmutter herausfinden will. Die Verwicklungen, die sich ergeben, schildert die Autorin Elif Shafak im Ton einer Screwballkomödie. Dagegen hat die Rezensentin Antje Korsmeier auch überhaupt nichts einzuwenden, freilich bedauert sie, dass diese Leichtigkeit der Form durch allzu "schwerfälliges" Abarbeiten der Themen konterkariert wird. Dennoch ein Lesevergnügen - es hätte aber wohl größer sein können.

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