Bücherschau der Woche
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Wolfgang Schlüter
Anmut und Gnade
Klappentext
Paris, 2003. Unruhen erschüttern die Banlieues. Während die Stadt vom Krieg der Bilderstürmer und Kaputtmacher erschüttert wird, probt ein österreichisches Kammerensemble die Aufführung einer Oper Jean-Philippe Rameaus, des großen Neuerers und ebenso gefeierten wie umstrittenen Erben Lullys. Walter Mardtner ist Pressereferent des Orchesters. Bei einem Antiquariatsbesuch fällt ihm ein Konvolut alter Schriften in die Hände, das von einem anderen Krieg erzählt: dem einstmals ebenso erbitterten wie geistvollen Kampf zwischen den Traditionalisten und Neuerern um die Vorherrschaft an der Pariser Oper. Kombattanten sind ein König, für den die Oper vor allem höchste Kunst der höfischen Repräsentation ist, Rameau und der Kreis der Enzyklopädisten, allen voran der empfindsame und aufrührerische Jean-Jacques Rousseau.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007
Ernst Osterkamp nimmt seine Aufgabe nicht auf die leichte Schulter. Das Buch ist misslungen, aber inwiefern, das will erst erklärt sein. "Sonderbar" ist dabei das Netteste, was Osterkamp einfällt, der Rest ist ein Verriss nach Strich und Faden: Ein "Nichts an Handlung", blasseste Charaktere, "scheppernde" Konstruktion und Dialoge und ein "Aktualisierungswille", der selbst vor dem Versuch nicht Halt macht, den Pariser Opernkrieg und die jüngsten Unruhen in den Pariser Banlieus aufeinander zu beziehen. Und wenn Osterkamp doch einmal etwas beeindruckt an diesem Buch, der Sprachwitz einiger Passagen oder des Autors opernästhetisches und kulturgeschichtliches Wissen, dann übertreibt es Wolfgang Schlüter gleich dermaßen, dass es dem Rezensenten doch wieder nicht passt. Für derartiges Versagen hat Osterkamp eigentlich nur eine Erklärung: Falsches Genre. Als Autor einer Rameau-Biografie kann er sich Schlüter nämlich ganz gut vorstellen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Reinhard J. Brembecks Kritik von Wolfgang Schlüters "Anmut und Gnade" ist ziemlich ungnädig ausgefallen. Der Roman springt zwischen dem 18. Jahrhundert und dem Jahr 2003 hin und her, im Zentrum steht der Komponiste Jean-Philippe Rameau und eine Bewegung für die historische Aufführungspraxis Alter Musik, wie der Rezensent erklärt. Dass man dem Komponisten verfallen kann, kann der Rezensent ohne weiteres verstehen, doch bedauert er die Art und Weise, wie Schlüter darüber schreibt. So versuche er zwar, in seinem Roman formal den Aufbau der Rameau-Oper "Les Indes galantes" von 1735 nachzuahmen, bis auf Äußerlichkeiten dient ihm aber dieses "opera-ballet" nicht wirklich als Vorlage, moniert der Rezensent. Wo bei Rameau nämlich in einzelnen "Entrees" immer wieder in eigenständigen Geschichten eine einzige Hauptthese bekräftigt wird, schneide der Autor seine Episoden willkürlich zusammen und fabuliere und hantiere mit allerlei Zeiten und Themen. Überhaupt wird dem Rezensenten in diesem Roman viel zu viel räsoniert, die Figuren und die Musik werden einfach nicht lebendig, wie er beklagt. Insbesondere die Hauptfigur Walter Mardtner, Mitglied eines Alte-Musik-Ensembles, nervt ihn mit redundanten Diskursen und humorlosem Gewäsch. Bei all dem Geplapper werde allerdings kaum je ein Gedanke wirklich zugespitzt, vielmehr alles mit allem in Beziehung gesetzt, wodurch der Roman einen unbefriedigenden Rätselcharakter bekommt, Brembeck moniert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2007
Fasziniert zeigt sich Martin Zingg von Wolfgang Schlüters Roman "Anmut und Gnade". Als "elegant", "sprachmächtig" und "musikalisch" lobt er den Roman. Vom beschaulichen Titel sollte man sich seiner Ansicht nach nicht täuschen lassen, denn das Werk wartet mit einigen Turbulenzen auf. Es geht um den Pressereferenten und Notenwart eines international besetzten Kammerorchesters, das in Paris für die Aufführung der Oper "Les Indes galantes" von Jean-Philippe Rameau probt. Diesem fallen Jean Devins Aufzeichnungen über die Oper in die Hände, mit denen der Leser unvermittelt im 18. Jahrhundert landet. Dabei haben auch Diderot und Rousseau, Rameaus Zeitgenossen, einen Auftritt. "Den Epochenspagat, den die so unterschiedlichen Figuren markieren", so Zingg, "macht Schlüter bis in die Sprache hinein lesbar, indem er archaisierendes, längst abgesunkenes Schrift- und Wortmaterial einsetzt". Das reiche Register an literarischen Möglichkeiten, über das Schlüter verfügt und das er gekonnt zum Einsatz bringt, machen das Buch für Zingg zu einem "außerordentlichen Roman".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.02.2007
Hans-Jürgen Linke lässt sich von dem jüngsten Roman Wolfgang Schlüters ganz in den Bann ziehen, weist aber dennoch darauf hin, dass es sich um keine leichte Lektüre handelt. Zentrales Thema ist die Musik, insbesondere die Musik von Jean Philippe Rameau und Jean Jacques Rousseau, im Mittelpunkt aber steht ein Ich-Erzähler, der als Assistent die Proben eines Orchesters begleitet, das sich der historischen Aufführungspraxis des Musik verschrieben hat. Der Roman bietet viele verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen auf und ist dadurch sicherlich für die Leser recht verwickelt, räumt der Rezensent ein. Gleich bekennt er aber, dass gerade die komplexen Bedeutungsstränge dieses Buches das Lesevergnügen ausmachen, zumal der Überfülle der Motive eine durchaus strenge, geradezu musikalisch zu nennende Form gegenübersteht, wie er begeistert betont.
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