Eine junge Frau beschuldigt Vater und Onkel, sie vergewaltigt zu haben. Ein Landgericht schickt die Männer für viele Jahre ins Gefängnis - zu Unrecht, wie sich jetzt herausgestellt hat. Ein haarsträubendes Lehrstück über Richter, die im blinden Glauben an die Behauptungen eines "Opfers" die Fakten verkennen. Sabine Rückert erzählt eine unglaubliche und doch wahre Geschichte: die des ersten Justizirrtums in Deutschland, der aufgrund journalistischer Nachforschungen aufgedeckt wurde. In den Jahren 2001/2002 recherchiert die Gerichtsreporterin der Zeit die Fälle nach und erkennt: Die Frau lügt. Ein Rechtsanwalt nimmt sich der unschuldig Verurteilten an und erwirkt nach langem Kampf gegen die Strafjustiz den Freispruch - da haben die beiden Männer ihre Haftstrafen schon abgesessen und stehen vor dem Ruin. Nun will der Anwalt die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Ein Einzelfall? Wohl eher ein ganz normaler Justizirrtum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Sabine Rückerts Analyse eines "extremen Justizirrtums" hat Rezensent Andreas Zielcke rundum überzeugt. Der Fall um zwei Männer, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden und für viele Jahre hinter Gitter wanderten, obwohl sie völlig unschuldig waren, scheint ihm so unglaublich, dass er ihn fast schon wieder tröstlich findet, denn: "So übel versagt die Justiz dann doch selten." Er bescheinigt Rückert, die ganze Geschichte akribisch recherchiert und in allen Aspekten beschrieben zu haben. Bei Rückerts Rekonstruktion der Wahrheit sieht er das vermeintliche Opfer, ein am Borderline-Syndrom leidendes 18-jähriges Mädchen, im Mittelpunkt. Deutlich wird für ihn, wie der Hilfsreflex auf Seiten der Justiz dazu führte, größte Widersprüche zu ignorieren und aus der Racheabsicht des Mädchens, das ihrem Vater und ihren Onkel wegen der lieblosen Erziehung eins auswischen wollte, eine "Hilfe- und Genugtuungsorgie der Gutmeinenden" wurde. Zielckes Fazit: "eine Anleitung zur juristischen Selbstdisziplin".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2007
Ein zwiespältiges Gefühl hat Sabine Rückerts Buch über einen Justizirrtum bei Michael Stolleis hinterlassen. Der von der Journalistin geschilderte Fall zweier zu Unrecht wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Männer verdeutlicht für ihn die besonderen Schwierigkeiten der Justiz im Umgang mit Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Er bescheinigt der Autorin, eindringlich zu zeigen, wie in einem aufgeheiztem Klima der Hysterie strukturelle Blindheit entsteht und Regeln der Spurensicherung, der Begutachtung und der Pflicht zur Sammlung von entlastenden Umständen missachtet werden. Stolleis sieht hierbei durchaus Parallelen zu den Hexenprozessen mit ihren Fremd- und Selbstbezichtigungen, mit ihrer Hysterie und ihren kollektiven Verdächtigungen. Auch äußert er Verständnis für eine "gewisse Einseitigkeit der Perspektive" und den "bisweilen polemischen Ton" bei Rückert. Allerdings unterstreicht er die hohe Dunkelziffer bei Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen und hebt hervor, dass ohne Aufmerksamkeit in diese Richtung viele Fälle unentdeckt bleiben würden.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…