Eine nach frischer Hefe duftende, mit krausem Haar und leicht biegbaren Fingernägeln ausgestattete Liebhaberin, die die Umrisse Italiens in einer Pigmentzeichnung auf ihrem Oberschenkel trägt und mit einer Stimme spricht, die Sie - nein, natürlich nicht. Ich sehe schon: Haben Sie alles nicht», denkt er, der Ich-Erzähler, und schweigt angesichts eines Gegenübers, das nie begreifen würde, warum ein Mensch solch eine Mühsal auf sich nimmt: 784 Schienenkilometer in einem Nachtzug von Basel nach Roma-Tiburtina, nur um sich wund zu lieben, alle 14 Tage, und anschließend wieder 12 Tage alleine, ohne Luise, zu sein. Eine unmögliche Liebe also. Und wieder bricht er auf, seiner Sehnsucht entgegen, doch diesmal endet seine Reise vorzeitig in dem vom Betrieb der Welt vergessenen Bahnhof von Domodossola. Ein Streik der italienischen Bahnarbeiter verhindert seine Weiterfahrt. Oder halten ihn die geomagnetischen Störungen hier fest?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2007
Von einem "leidenschaftlichen" Roman weiß Rezensentin Andrea Lüthi zu berichten. Worum es geht? Natürlich um Liebe und, noch dramatischer, darum, dass der Liebhaber im Wartesaal des Bahnhofs Domodossola hängen bleibt und nur von seinen Erinnerungen kosten kann. Aus dieser Not seines Ich-Erzählers schlage der Autor kräftig Kapital, indem er den Roman komplett als Bewusstseinsstrom inszeniere. Beim Warten auf den Zug nach Rom gerate der Verliebte in einen "traumähnlichen" Zustand, der ihn über kleine Details zu entferntesten Überlegungen verleite. Doch immer, so die Rezensentin, kehrten diese Gedankenflüge zur Geliebten zurück und beispielsweise zu den Wollmützen, die sie zu stricken pflege. Auf einen Streich könne Urs Mannhart so zugleich die Liebe des Helden und die Geliebte plastisch werden lassen. Der Schluss allerdings sei überraschend, verrät Andrea Lüthi schon einmal, und entlasse den Leser aus seiner "traumverlorenen Stimmung".
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