Menschliche Gefühle wie Trauer, Wut, Mitleid oder Langeweile lassen sich einerseits als anthropologische Konstanten betrachten. Andererseits erweisen sich menschliche Emotionen als historisch veränderbar und kulturell je anders überformt. Was unter Gefühl, Affekt, Psyche und Seele verstanden wird, variiert in hohem Maße. Dieser Band untersucht in einem Panorama von der Antike bis zur Gegenwart, wie Gefühle in verschiedenen Epochen und Kulturen artikuliert und inszeniert werden. Gezeigt wird, wie sich schicht- und geschlechtsspezifische Vorstellungen von Emotionalität wandeln, welche Rolle Gefühle in der Kommunikation spielen, wie sich das Verhältnis von Emotionen und Körperlichkeit verändert und welchen Einfluss die Medien auf die Wahrnehmung von Gefühlen haben. Die Autoren des Buches sind Renate Schlesier, Hermann Schmitz, Hartmut Böhme, Gerd Althoff, Werner Röcke, Helga Meise, Barbara Korte, Ute Frevert, Martina Kessel, Claudia Lenssen und Klaus-Peter Köpping.
Sehr angetan ist Rolf-Bernhard Essig von diesem Buch. In den elf Aufsätzen werde auf die "reizvollste Weise" deutlich gemacht, dass Gefühlskonzeptionen nicht für jede Zeit verbindlich beschrieben werden könnten, so der Rezensent lobend. Und so mache das Buch verständlich, dass wenn wir meinten, die Gefühle von vergangenen Epochen zu verstehen, wir lediglich unsere eigenen Gefühle übertragen würden, was der Rezensent für ein großes Verdienst des Sammelbandes hält.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2000
Bernd Matthies erläutert zunächst, dass es in diesem Band vor allem um die Frage geht, welche Gefühlsäußerungen den Menschen - von ihrer individuellen Prägung abgesehen - gemeinsam und welche hingegen durch eine fortwährende Disziplinierung bedingt sind. Dabei erfährt der Leser einiges über Zeremonien und Rituale, über "Domestizierung und theatralische Inszenierung", nicht nur im Blick auf Europa, sondern beispielsweise auch aus der Han-Zeit (206 v. Chr. Bis 220 n. Chr.) oder dem heutigen Japan, in dem sich das öffentliche Zeigen von Gefühlen verbietet und sich daher "ein subtiles Differnzierungssystem" herausgebildet hat, was für Ausländer nur schwer zu durchschauen ist. Auch wenn Matthies sich in dieser Rezension mit einem eindeutigen Urteil zurückhält, so scheint er das Buch doch mit einigem Gewinn gelesen zu haben, schließlich ist es "ein unerschöpfliches Thema", wie er feststellt.
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