Das Fernsehen hat den Weltzugriff der späten Moderne bestimmt. Es hat eine globale Wahrnehmung ermöglicht, dabei neue synthetische und spezifische Zeitverhältnisse ausgebildet und Bedingungen für den Konsens festgelegt. Es hat Wahrnehmung und Kommunikation organisiert und mit ihnen und zwischen ihnen auch das Denkvermögen. Es hat das Denken unter Bedingungen gesetzt und ein eigenes Denken in Bewegung gebracht. Die Formen des Fernsehens sind zugleich Medium solcher Denkbewegungen. Sie verdichten sich zu philosophischen Figuren dort, wo sie die Reflexion des Mediums auf seine eigenen Denkmöglichkeiten und Denkbedingungen freilegen. Fernsehen arbeitet und denkt dabei in den Kategorien des Bildes, des Ereignisses und der Serie. Philosophie des Fernsehens ist der Versuch, diese dem Fernsehen eigenen Formen durch begriffliche Reflexion zu modellieren und sie im Medium der Theoriesprache zu rekonstruieren, ohne sie ihr aber zu unterwerfen oder zu subsumieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2006
Durchaus anregend findet Hendrik Feindt diesen Band über die "Philosophie des Fernsehens". Auch wenn er die von den Herausgebern formulierte übergeordnete Idee des Fernsehens als eines autopoietischen Systems nicht teilen mag, hält er die einzelnen Beiträge für recht instruktiv. Er unterstreicht die genuin philosophische, weniger medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Medium. Als die leitenden Kategorien der Analyse nennt er "Bild", "Ereignis" und "Serie". Zudem verweist er auf die einschlägigen Denkfiguren Gilles Deleuzes, die bei den Analysen herangezogen werden, sowie auf Stanley Cavells Unterscheidung zwischen "viewing" und "monitoring". Besonders interessant scheint ihm Richard Diensts Beitrag über Heidegger, der dem Fernsehen das Denken des Seins nicht entziehen, sondern beides miteinander arrangieren wollte.
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