Nun hat Michel Houellebecqs Landsmann Denis Demonpion eine nicht autorisierte Biografie geschrieben, die kapitale Fehler in dessen offiziellem Lebenslauf aufdeckt. Mit den Worten von Denis Demonpion: "Beim Spurenverwischen ist Houellebecq durchaus professionell vorgegangen. Er ließ zum Beispiel seinen Namen aus allen Schullisten streichen." Was um alles in der Welt hat der Mann für einen Grund, seinen Lebenslauf zu frisieren? "Er will Herr über sein Bild sein, das nach außen dringt", sagt Demonpion,"und das ist ihm bisher auch gelungen - bis zum letzten Komma. Man denkt immer, man kenne Houellebecq, weil er in den Medien so präsent ist, weil er ständig Interviews gibt." Bei seinen Recherchen hat der Autor - er hat mit 130 Personen gesprochen, die ihn gut kennen - festgestellt, dass es ganz anders ist. Demonpion deckt in seiner Biografie Houellebecqs Doppelstrategie auf. Er spricht in aller Einfühlsamkeit von der schwierigen Jugend des Literaten. Doch zugleich entlarvt er, wie er sich immer wieder als Verlassener stilisiert - und das trotz Ruhm, Ehefrau und Vermögen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2006
Durchaus instruktiv scheint Joseph Hanimann diese Biografie über Michel Houellebecq, die der Pariser Journalist Denis Demonpion verfasst hat. Sensationelle Enthüllungen aber sollte man sich nicht erwarten. Dass Houellebecq nicht, wie von ihm behauptet, 1958, sondern zwei Jahre früher geboren wurde, oder dass er nach seinem Studium der Agrarwissenschaft eine später verschwiegene Filmausbildung begann, hält Hanimann nicht unbedingt für "atemberaubende Neuigkeiten". Vielmehr schätzt er das Buch wegen der vielen Details, die des Lesers Bild von der "geistigen Physiognomie des Schriftstellers" teils bestätigen, teil korrigieren. Dem Autor gelingt es nach Ansicht Hanimanns, nicht nur die wichtigen Momente im Leben Houellebecqs zu erfassen, sondern auch die Herkunft seiner provokativen Attitüde und seiner Faszination für eine Religion ohne Gott zu klären. Bei dem langen Kapitel über die schriftstellerische Entwicklung hätte sich Hanimann allerdings eine etwas "schärfere Akzentuierung" gewünscht.
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