Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Orhan Pamuk

Istanbul

Erinnerungen an eine Stadt

Cover: Istanbul

Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN-10 3446208267
ISBN-13 9783446208261
Gebunden, 432 Seiten, 25,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Orhan Pamuk verbindet in seinem neuen Buch die Geschichte der sagenumwobenen Stadt, die von Jugend an seine Fantasie angeregt hat, mit Schilderungen von Menschen und Orten. Er beschreibt die verfallenen Monumente, die von einstiger Größe zeugen, die verwunschenen Villen und verwilderten Gärten, die melancholischen Gassen und die belebten Wasserstraßen des Bosporus und des Goldenen Horns.
Istanbul ist aber auch die Geschichte einer Kindheit. Der junge Orhan durchstreift erst an der Hand seiner Mutter oder im Ford des Onkels, dann auf eigene Faust die Stadt, der er von Anfang an verfallen ist. Die Großfamilie lebt noch wie in osmanischen Zeiten unter einem Dach in den "Pamuk Apartmeni", während das ererbte Vermögen Vater und Onkel unter den Händen zerrinnt. Der Niedergang der einst so großartigen kosmopolitischen Stadt spiegelt sich in gewisser Weise in der allmählichen Auflösung von Pamuks Familie, und die Melancholie ist daher für den Schriftsteller die Eigenschaft, die ihn so wie alle Bewohner Istanbuls am meisten charakterisiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.11.2006

Als anschauliche Darstellung der Situation des postkolonialen Künstlers lobt Rezensent Jörg Plath Orhan Pamuks Hommage an seine Heimatstadt. Er preist Pamuk dafür, dass es ihm gelingt, aus den persönlichen Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Istanbul ein "großes Panorama" nicht nur der Stadt, sondern auch der türkischen Geschichte und Mentalität zu machen. Lediglich bei der Beschwörung der kollektiven Melancholie, die eine Hauptrolle im Lebensgefühl Istanbuls spielt, lässt Pamuk nach Ansicht des Rezensenten seine gewöhnliche Bescheidenheit und Diskretion fahren und quält den Leser mit Wiederholungen und stereotypen Formulierungen. Hervorragend gelinge es Pamuk allerdings zu schildern, wie er als Maler und Schriftsteller die Selbstbeschreibung Istanbuls "erobern" und sie dem europäischen Orientalismus entringen musste. Die Eroberung scheint geglückt: Der Rezensent empfiehlt, das Buch als einen "fesselnden Liebesroman" zu lesen, mit der Stadt am Bosporus in der Rolle der Geliebten.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006

Lothar Müller sieht sich mit den Jugenderinnerungen Orhan Pamuks in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückversetzt. Wie schon die Romane sind de Kindheits- und Jugenderinnerungen des Autors eng mit seiner Heimatstadt verknüpft, erkennt der Rezensent, der deshalb auch gerade die Schilderungen der Streifzüge des jungen Pamuk durch die Stadt als leidenschaftliche "Hommage" zu schätzen weiß. Intensiv beschäftige sich der Autor in seinem autobiografischen Buch auch mit den Istanbul-Beschreibungen von Gustave Flaubert, Pierre Loti, Theophile Gautier und Gerard de Nerval, nicht allein um ihnen so manches "Klischee" über den Orient nachzuweisen, sondern auch, um sich Stadtbeschreibungs-Techniken anzueignen, so Müller. "Schlüsselbegriff" der Erinnerungen aber ist laut Rezensent der "hüzün", das türkische Äquivalent zum englischen "spleen", das die spezielle Atmosphäre im Istanbul dieser Zeit prägt. Vergnügen bereitet Müller offenbar auch die Anekdote, nach der Pamuk deshalb Orhan genannt wurde, damit er einem für seine Unauffälligkeit berühmten Sultan gleicht. Ein Glück sei es allerdings, dass Pamuk auch mit diesem Buch wieder einmal wesentlich "unbescheidener" und herausragender ist als sein Namenspatron.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.11.2006

Orhan Pamuks "Istanbul" hat der Rezensentin Dilek Zapticioglu vor allem deshalb so gut gefallen, weil es der Autor vermag, "tief in die menschliche Seele" zu blicken, und weil ihm alles Menschliche vertraut sei. Pamuks Istanbul, so die Rezensentin, ist eine traurige Stadt, überzogen und durchtränkt vom süßen "hüzün" (Melancholie) über ihren einstigen Glanz und späteren Niedergang. Doch die Stadt fasziniert bis heute, und diese Faszination beruht auf einem Widerspruch, glaubt die Rezensentin: Dass die glorreiche osmanische Zeit weit zurückliegt, heißt für sie nicht, dass Istanbul den Weg gen Westen angetreten hätte - nein, es verkörpere eine "wirklich gelungene Synthese aus Ost und West". Dem Verfall der Stadt stelle Pamuk den Verfall seiner Familie zur Seite und in diesen "offenherzigen" Kindheitserinnerungen gelingen ihm, wie die Rezensentin lobend bemerkt, seine bisher eindrücklichsten Figurenschilderungen.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2006

Genüsslich blättert Rezensent Hubert Spiegel in diesem "doppelten Familienalbum", das einerseits die Familie Pamuk und andererseits die Stadt Istanbul porträtiert. Die Vielseitigkeit des Blickes, den Orhan Pamuk auf Istanbul wirft, verdankt sich laut Spiegel der Einsicht des Autors, dass die Wahrheit der eigenen Stadt im Blick der anderen zu finden ist, was ihn dazu verleite, in seinem - reich bebilderten - Buch auch jene anderen - darunter Flaubert, Nerval und vergessene Chronisten wie Yahya Kemal - zu Wort kommen zu lassen und sich darin zu spiegeln. Zwei "Konstanten" sind dabei für den Rezensenten erkennbar: zum einen "Hüzun", anderenorts Melancholie genannt, das als regelrechtes Lebensgefühl Istanbuls gelten müsse, und zum anderen Istanbuls grundlegende Spannung zwischen der nunmehr weit zurückliegenden glanzvollen osmanischen Vergangenheit und der steten Versuchung der Verwestlichung.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2006

Überaus beeindruckt zeigt sich Rezensentin Monika Carbe von Orhan Pamuks Buch über Istanbul, das Erinnerungen an seine Kindheit geschickt mit der Geschichte der Stadt in Beziehung setzt. Sie sieht darin ein Psychogramm der Stadt am Bosporus und zugleich des Autors als Kind und als Heranwachsender. Pamuks Blick auf die Stadt schärfe und weite sich mit fortschreitendem Alter. So entstehe Istanbul in einer Breiten- und Tiefenwirkung, die offenbar auf detailliertem Quellenstudium beruht. Neben einer perspektivenreichen Beschreibung der Stadt und ihrer Geschichte bietet das Buch zur Freude Carbes auch einen Einblick in die literarische Werkstatt des Schriftstellers. So findet sie zahlreiche Figuren und Eindrücke der Stadt aus Pamuks Romanen hier wieder. Überzeugt hat sie auch die Sprache des Buchs: nuanciert, nie überdreht und dabei wunderbar melancholisch.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus
Anzeige
Hanser bei Facebook

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren