Fahimeh Farsaie

Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden

Roman
Cover: Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden
Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2006
ISBN 9783897412002
Broschiert, 260 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Das Leben der iranischen Familie Azad in der Kölner Fremde verläuft friedlich, bis Mutter Sima ihre Entscheidung verkündet: Sie wolle Deutsche werden. Während fortan neben Kebab auch Würstchen und Senf auf den Tisch kommen, kämpft Vater Abbas verzweifelt um Autorität, Familienehre und die Rettung der persischen Kultur ... Die Kinder aber flüchten sich zu grün- und blauäugigen Freunden.Was ist eigentlich "deutsche Mentalität und Lebensart"? Je mehr sich Sima Khanoom um ihre "Deutschwerdung" bemüht, desto verwirrter ist sie. Doch zum Glück lernt sie Herbert Weigel kennen. Der alleinstehende Nachbar mit einem Faible für Friedhöfe und Brahms bemüht sich nach Kräften, Sima in die deutsche Kultur einzuführen. Bald tritt sie seiner Kröten-Rettungsgruppe bei und plant den großen Auftritt der Kölner Wasserkarnevalisten. So wird Vater Abbas "warmer und heller Familienhort" auf eine harte Probe gestellt. "Wir sind und bleiben Perser!" Aus Protest gegen Simas neue deutsche Lebensweise wendet er sich islamischer Mystik zu. Während die Küche zum Einbürgerungsbüro wird, wo Sima deutsche Märchen liest und gnadenlos deutsche Ordnung hält, vollzieht Abbas im Wohnzimmer seine Verwandlung zum Derwisch. Mittendrin ist Tochter Roya zwischen der Wiederherstellung des Familienfriedens und ihrem Buchhändler-Freund Peter mit dem 0/1-Verstand hin- und hergerissen. Und (fast) allen entgeht, dass Sohn Reza bei seinem Freund Kai nicht nur Chemie lernt. Was soll da die Großmutter denken, die ausgerechnet jetzt aus dem Iran zu Besuch kommt?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2006

Andreas Rosenfelder hält Fahime Farsaies satirischen Roman vielleicht etwas vorschnell für die erste literarische Auseinandersetzung mit der Einbürgerung in Deutschland. Er will das Buch der Deutsch-Iranerin dabei nicht in die Schublade der Frauenhaus- oder Antidiskriminierungsliteratur gesteckt sehen, da die Autorin keineswegs eine typische Migrationsgeschichte, sondern ein bizarres familiäres Psychodrama erzähle. Sichtlich gut amüsiert hat der Rezensent sich über die Geschichte einer seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden persischen Familie, die in Aufruhr gerät, als die Mutter sich einbürgern lassen will. Ihre Versuche, sich auch ins kleinste Detail der deutschen Kultur (inklusive Krötenschutz) einzuarbeiten, um sich in das typisch deutsche "alternative Individualistentum" zu integrieren, sind mit einer arabesken Ironie dargestellt, der der Rezensent durchaus einen Reiz abgewinnen kann. Er bedauert jedoch, dass die zentrale Handlung des Romans zu sehr von Abschweifungen überwuchert wird. Ansonsten sähe er den Roman gern "als warnendes Musterbeispiel" in den Lesekanon von Integrationskursen aufgenommen.
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