Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Auswahl, Nachdichtung und Nachwort von Fritz Rudolf Fries. Auf dem Dachboden ist Victor Farias, der Herausgeber der spanischen Gesamtausgabe der Werke Pablo Nerudas, vor einigen Jahren auf dessen frühe, bisher verloren geglaubte Gedichte gestoßen. Aus dem umfangreichen Konvolut von Manuskripten erscheint zum ersten Mal eine Auswahl auf deutsch, die uns endlich eine Vorstellung davon gibt, wie eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur entstand.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.09.2000
Ob, wie Alexander von Bormann meint, jeder zweite Lyrikleser spanisch lesen kann, wissen wir nicht, finden es aber wie der Rezensent lobenswert, dass sich der Verlag dazu entschieden hat, die auf einem Dachboden aufgetauchten frühen Gedichte des Chilenen Neruda zweisprachig zu veröffentlichen. Denn gerade Lyrikübersetzungen seien: "ein Annäherungsversuch". Einer, der sich von Bormann zufolge, lohnt. Frisch findet er die Gedichte des einst 15jährigen Schülers, der neben Liebeskummer und Weltschmerz bereits das soziale Aufbegehren und Selbstironie durchblicken ließ. Dadurch werden sie für von Bormann zu mehr als bloßen "Fingerübungen", sie geben Rückschluss auf die literarischen Einflüsse (Baudelaire, Rimbaud, Whitman) und biografischen Vorposten im Leben dieses Dichters.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2000
Seine Gedichte aus der Schulzeit hatte Pablo Neruda weggegeben und galten als verschollen, bis sie vor kurzem auf einem Dachboden wieder auftauchten und 1997 erstmals in voller Länge veröffentlicht wurden, so berichtet Uwe Stolzmann. Er sieht diese Veröffentlichung als gelungene Ergänzung des Gesamtwerks Nerudas; vieles an den Gedichten sei "altklug und anrührend", aber sie gäben Einblick in den Reifungsprozess eines angehenden Dichters, legten Zeugnis ab, was er damals las, welche anderen Dichter er sich zum Vorbild genommen hat. Stolzmann bringt es auf die Formel: kopieren und probieren. Bei der deutschen Übersetzung bemängelt Stolzmann die gelegentliche Betonung des ohnehin etwas Schwerfälligen oder Überhöhten, doch der krittelnde Eindruck täuscht: insgesamt lobt der Rezensent die "einfühlsame" Nachdichtung von Fritz Rudolf Fries.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2000
Burkhard Scherer bespricht diese Jugendgedichte Nerudas mit Respekt und auch nicht ohne Amüsement. Anscheinend sind die Gefühle von 15-jährigen überall auf der Welt ziemlich ähnlich, stellt er fest: Das Gefühl von Einsamkeit, das Unverstandensein, Liebeskummer, das "grandiose Selbst, das der Welt vorhält, es nicht adäquat zu erkennen". Im Unterschied zu den meisten pubertierenden Dichtern habe Neruda jedoch sein Berufsziel konsequent verfolgt und auch Erfolg gehabt. Über die Gedichte selbst, sagt Scherer kaum etwas, dafür werden einige Zeilen abgedruckt, wobei man u. a. auch erfährt, wo und wann sie zu Papier gebracht wurden: "In der Chemiestunde am 30. Juli". Auch gibt es, so Scherer, Hinweise auf Nerudas "literarisch-philosophische Unterstützer" zu dieser Zeit. Dazu gehörten zum Beispiel Verlaine, Mallarmé, Nietzsche und Schopenhauer. Die Übersetzung von Fritz Rudolf Fries findet der Rezensent "überprüfbar kundig".
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