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Ilse Aichinger
Subtexte
Klappentext
Am 1. Januar 2005, nach Abschluss ihres Buches "Unglaubwürdige Reisen", eröffnet Ilse Aichinger noch einmal ein Journal: wechselt die Zeitung, wechselt das Cafe und schreibt Woche für Woche an einem poetisch erzählenden Essay. Mit der Boulevardpresse und den Büchern des Philosophen E. M. Cioran auf dem Kaffeehaustisch ist Aichinger der Definition von "Subtext" auf der Spur. Mit größter Genauigkeit und funkenschlagender Komik schreibt sie "vom Ende her und auf das Ende hin" und entfaltet einen zusammenhängenden Zyklus, in dem das Blitzhafte des Denkens und der Erinnerung sich als lang nachrollender Donner entlädt. Ilse Aichingers Subtexte sind eine Intervention gegen Verharmlosung und primitives Einverständnis. "Positiv denken ist das Gegenteil von Denken." Es ist ein wildes Buch, an dessen Schluss noch einmal - wie in der berühmten "Spiegelgeschichte " - Ende und Anfang, Geburt und Tod, in eins fallen. Die Anarchie einer 85-jährigen Dichterin.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2007
Die Bewunderung für Ilse Aichinger kennt bei Samuel Moser keine Grenzen. Seine Besprechung ihrer "Subtexte" wimmelt nur so von Superlativen, von Hymnen auf Aichingers "schwindelerregende Klarheit", ihre "Schnörkellosigkeit" oder ihren "gnadenlosen Witz". Aichinger habe kein Programm für diesen Text, sie bleibe in Wien und flaniere herum. Zerstreut wirkt sie dabei aber nie, versichert Moser, und "noch im letzten Nebensatz blitzt es!" Aichinger, erklärt der Rezensent, ist nicht sprunghaft, sondern nur flexibel im Denken. Vor allem aber verehrt Moser die Autorin für ihre Fähigkeit "Gram in Grimm zu verwandeln".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2006
Erfreut zeigt sich Rezensent Eberhard Rathgeb über diesen Band, der Ilse Aichingers in den letzten Jahren in der Tageszeitung "Die Presse" erschienenen Texte versammelt und nun zum 85. Geburtstag der österreichischen Schriftstellerin vorliegt. Entstanden im Wiener Cafe Jelinek, wo Aichinger die Schriften von E. M. Cioran studierte, vermitteln die kurzen Texte für ihn Aichingers ungebrochenen Widerstand gegen alles scheinbar Selbstverständliche, das Verharmlosen und das verdrängende Dahindämmern. In den Texten drehe Aichinger die als Nachricht und Ereignis ins Cafe tretende Welt ins Profil, damit man besser erkennt, worauf das hinauslauft, so Rathgeb, "was da eben großspurig, breitbeinig, selbstgerecht und wie unanfechtbar dahergekommen ist".
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