2006 jährt sich der 50. Jahrestag der ungarischen Revolution. Die Ereignisse in Ungarn betrafen Österreich durch die Aufnahme von 180.000 bis 200.000 Flüchtlingen unmittelbar. Die Aufnahme der Flüchtlinge war für das Land, das ein Jahr zuvor seine Unabhängigkeit zurückerlangte, ein wichtiges Moment im Hinblick auf eine neue nationale und staatliche Identitätsstiftung. Dieser Sammelband über die österreichischen Bezüge der Revolution 1956 wurde vom Collegium Hungaricum Wien initiiert und realisiert. Die Autoren des Bandes untersuchen aufgrund der neuesten Forschungsergebnisse die internationale Bedeutung der ungarischen Revolution und deren politische, ideelle und ideologische Auswirkungen auf Österreich. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Flüchtlingsproblematik, dem Krisenmanagement des österreichischen Staates, der Solidarität der österreichischen Bevölkerung und den Aktionen der internationalen Hilfsorganisationen. Damit leistet das Buch einen Beitrag zur erweiterten Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Ungarn und Österreich im 20. Jahrhundert bis hin zum Konflikt des Kalten Krieges.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2006
Aufschlussreich findet Andreas Oplatka diesen von Ibolya Murber und Zoltan Fonagy herausgegebenen Band mit Beiträgen von ungarischen und österreichischen Historikern zur Rolle Österreichs beim Ungarnaufstand 1956. Deutlich werden für Oplatka das Engagement und die Hilfe, die Österreich trotz seines neutralen Status für Ungarn leistete. Besonders interessiert haben ihn die Kapitel über die von Moskau gegen Österreich erhobenen Vorwürfe, Wien toleriere die Lieferung von Rüstungsgütern und den Durchzug bewaffneter "faschistischer" Emigranten über österreichisches Territorium nach Ungarn. Die wenig bekannte Geschichte dieser Anschuldigungen und Österreichs Reaktionen darauf werden nach Auskunft von Oplatka in dem Band ausführlich und spannend dargestellt.
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