Die Anschläge von Fanatikern in New York, Madrid und London sowie der "Ehrenmord" an einer jungen Türkin in Berlin und der Karikaturenstreit haben den Blick auf die Muslime verändert. Über den Islam herzuziehen ist auch in Deutschland inzwischen Mode geworden, selbst wenn keine genauen Kenntnisse und persönlichen Erfahrungen vorliegen. Dabei will die überwiegende Mehrheit der Muslime mit Terror und Gewalt nichts zu tun haben und folgt ganz anderen Maximen. In den vergangenen Jahren hat sich eine neue islamische Jugendbewegung gebildet, die sich als Gegenpol zu Al Qaida versteht: statt langer Bärte und Schleier trägt man Jeans und modische Kopftücher. An die Stelle von Terror sollen Fortschritt und Integration in die westlichen Gesellschaften treten. Die Stars dieser Pop-islamischen Bewegung sind Prediger, Musiker und Talkmaster. Sie regen die Jugendlichen dazu an, sich in der modernen Gesellschaft zu behaupten, zu engagieren und zugleich die Regeln eines konservativen Islams zu befolgen.Julia Gerlach hat über Jahre in muslimischen Gruppen Deutschlands und der islamischen Welt recherchiert und zeichnet ein differenziertes Bild von der neuen Jugendbewegung und ihren politischen Vorstellungen. Sie plädiert vehement für eine Deeskalation in der öffentlichen Diskussion, für den Abbau der Konfrontation und eine Kooperation mit all jenen Kräften, die sich deutlich von der Gewalt distanzieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.01.2007
Antje Schrupp bespricht zwei Publikationen über Positionen junger Muslime in Deutschland zwischen Integration und Religion. Julia Gerlachs Band, der vor allem die Debatten unter den Muslimen selbst in den Blick nimmt, preist die begeisterte Rezensentin als ausgezeichnet. Die Autorin habe Interviews geführt, Gespräche mit Vertretern verschiedener muslimischer Organisationen geführt und sich auch in arabischen Fernsehsendungen und in Internetforen umgetan, erklärt die Rezensentin. Sie lobt vor allem, dass Gerlach keine Pauschalurteile fällt, sondern sich bemüht, die komplexe Situation junger Muslime in Deutschland zu erfassen und sich mit ihrem Buch dafür einsetzt, mit den deutschen Muslimen im Gespräch zu bleiben und die Integration voranzutreiben. Das Buch bietet für alle am Thema Interessierten eine Fundgrube an Informationen und Einblicken, lobt Schrupp überzeugt.
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