Bücher der Saison
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Klappentext
Im Schuber. Wir Menschen sind Bürger des Universums, aber zugleich sind wir auch Privatbesitzer unserer Lebensläufe. Wir leben im 21. Jahrhundert und zugleich in den langen Zeiten, aus denen wir kommen und die wir in uns tragen. So existieren wir in einem Babylon verschiedener Realitäten. In jedem Moment: Tür an Tür mit einem anderen Leben. Das gilt für den Bombenleger und Blitzkrieger, für Liebende, für Menschen, die einander hassen, für unsere Ahnen und für das "moderne Raubtier", das in Gestalt globalisierter Unternehmen uns Menschen gelegentlich überholt und scheinbar zurücklässt. In den neun Kapiteln des Buches geht es um Welt- und Wirtschaftskriege, um Liebes- und Familiengeschichten, um den Zeitbedarf von Revolutionen und um Bastionen des Überlebens, die einer nicht aufgibt, ohne auf Leben und Tod zu kämpfen.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.01.2007
Ausgesprochen hingerissen ist Rezensent Michael Rutschky mit Alexander Kluge in das "Meer der Geschichten" getaucht, aus dem Kluge seinem Eindruck zufolge die 350 Erzählungen dieses Bandes geschöpft hat. Kluge habe in seinen Texten alle "diskursiven Klassen" gestreift, vom Essay über Historiografisches, Öknomomisches bis zu Mitteilungen über das Wetter von 1812; von querdenkerischen Überlegungen zu Hitler bis hin zu Geschichten aus seinem Halberstädter Elternhaus. Besonders diese stimmungstechnisch eher dunklen Erzählungen über ein verhaltenes Unglück greifen dem Rezensenten ans Herz. Im Übrigen begeistert ihn, wie differenziert Kluge ihn mit seinen Texten "anhaltend" zu belehren und zu unterhalten versteht. Und dass er seine Ausnahmetexte dabei auch noch aus dem gleichen Material destilliert, aus dem sonst Peter Sloterdijk und Slavoj Zizek ihren "Bullshit" fabrizierten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2007
Als eine sich nicht auf den ersten Blick erschließende "chaotische Ordnung" bezeichnet der Rezensent Peter Demetz' umfangreiches Geschichtenkonvolut. So verhält es sich allerdings auch mit Demetz' Besprechung. Aus versprengten sich zum Schluss hin verdichtenden Hinweisen lässt sich jedoch entnehmen, dass der Rezensent die Lektüre dieses philosophisch und erzählerisch hochtourigen Buches durch und durch genossen hat. Kluge verbinde das "Welthistorische" und das "Intime" auf so "ehrgeizige" und "kühne" Weise wie kein dem Rezensenten bekanntes Buch in deutscher Sprache.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
In "Tür an Tür mit einem anderen Leben" gewinnt Alexander Kluge der Geschichte immer wieder überraschende Einsichten ab und weist nach, dass das historische Geschehen auch ganz anders hätte ablaufen können, meint ein geradezu ehrfürchtiger Thomas Steinfeld. Nicht Historie, sondern eine Ansammlung von Geschichten biete der Autor in seinem jüngsten Werk, wobei er sich für die "Rückseite der Geschichte" interessiere, sei es, wenn er ein knapp mit dem Leben davon gekommenes Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs 60 Jahre später an den Ort des Geschehens begleitet oder über den Sinn der Gewalt eines Sultans gegenüber einem byzantinischen Kaiser sinniert, erklärt der begeisterte Rezensent. Steinfeld versichert, dass dieser Band zwar ein hohes Niveau hält, mit seinen frischen Perspektiven aber "ausgesprochen gute Laune" macht. Steinfeld zumindest versetzen die Geschichten des Autors in geradezu rauschhafte Zustände, die durch "Möglichkeiten von Erkenntnis" hervorgerufen werden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006
Martin Krumbholz zieht seinen Hut vor der spekulativen Vernunft und unerschöpflichen Produktivität Alexander Kluges, dessen "350 neue Geschichten" er mit großer Begeisterung verschlungen zu haben scheint. Immer auch den "unverwechselbaren Kluge-Sound" beim Lesen im Ohr, findet Krumbholz eine Fülle instruktiver Einsichten, starker Behauptungen und anthropologischer Erkenntnisse. Den größten Eindruck hat dabei offenbar eine ungewöhnlich persönliche Erklärung Kluges hinterlassen, derzufolge der Ursprung all seiner Kreativitätswut und speziell auch seines Erzählprinzips der offenen, variantenreichen Ausgänge in der traumatischen Erfahrung der Trennung seiner Eltern wurzelt, welche der neunjährige Alexander wegen damals noch mangelndem Verhandlungsgeschick nicht zu verhindern wusste - ein privates Bekenntnis, das in seiner Kühnheit den Rezensenten tief berührt hat und damit gleichzeitig paradigmatisch für die vielen detailreichen Episoden stehen könne, die Kluge häufig mit einem ihm eigenen Möglichkeitssinn aufgeladen schildere.
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