Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Aus dem Englischen von Elfi Hartenstein. Als Nadias verwitweter Vater ihr mitteilt, dass er wieder heiraten will, löst er eine gewaltige Familienkrise aus. Sein neuer Schatz ist eine üppige Blondine, aus der Ukraine wie er auch, mit einer Vorliebe für grüne Satinunterwäsche, Fertiggerichte und hochtechnisierte Kücheneinrichtungen. Nadia ist sofort klar, daß diese Frau vor nichts haltmachen wird, um ihre ehrgeizigen Träume zu verwirklichen …
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2006
Kurzweilige Unterhaltung hat Marina Lewyckas Debütroman der Rezensentin beschert. Mächtig überrascht über die Wendung des Textes vom "Trash-Affinen" zu einer rührenden Familiengeschichte, einem "klugen" Kommentar zum Thema Integration und einem Überblick über die ukrainische Geschichte, notiert Sonja Zekri die vielen Vorzüge des Textes: Die gekonnte wie "leichthändige" Balance zwischen derber Komik und Tragischem, die beiläufige Infragestellung politischer wie sozialer Prämissen, das Vermeiden kruder Schwarz-Weiß-Malerei bei der Zeichnung der "verhaltensauffälligen" Charaktere. Und fragt sich, wie die Autorin das nur angestellt hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Das Buch, versichert uns Tobias Döring, hält, was es verspricht. Die Traktorenperspektive nämlich. Darüber hinaus allerdings bietet dieses Romandebüt der 59-jährigen Creative-Writing-Dozentin Marina Lewycka nicht weniger als einen Blick auf die Weltgeschichte - vom Traktorsitz aus sozusagen. Döring staunt, was es von da oben so alles zu sehen gibt. Eine skurrile, "mit "slapstickhafter Komik" vorgetragene Heiratsaffäre, eine Geschichte von Krieg und Vertreibung und ein Abriss osteuropäischer Agrikultur. Nur das "Wie" der Darstellung fesselt den Rezensenten noch stärker. Welch Frische, welch Leichtigkeit, welch Ironie! Auch Lewyckas Beherrschung, ihr Personal nicht im Pointenhagel zu verheizen, findet Döring bemerkenswert. Das Buch hält er konsequenterweise für einen "neuen Höhepunkt" in der Tradition der Einwandererromane.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006
Durchweg amüsiert hat sich Karl-Markus Gauß bei der Lektüre Marina Lewyckas britisch-ukrainischer Lovestory zwischen einem busengeilen englischen Witwer und einem osteuropäischen Flittchen. Dabei verstehe die Autorin es, mit einer breiten Palette an verschrobenen Charakteren, absurder Situationskomik und schnellem Erzähltempo beinahe jeden Lesergeschmack zu bedienen, was bei Gauß schon Vorfreude auf eine mögliche Verfilmung weckt. In ihrer Schilderung der späten Romanze des "Traktor-und-Titten-Liebhabers" benutze Lewycka unerschrocken Klischees über Ukrainer wie Briten, die sie aber trickreich entlarve, ohne sie zur Gänze in Frage zu stellen - zumal sie selbst eine in Sheffield lebende Tochter ukrainischer Emigranten ist, so der Rezensent. Diese ihre eigene Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Katastrophen, die das letzte Jahrhundert über die Ukraine gebracht hat, scheint dem Rezensenten dann auch die eigentliche Kerngeschichte des Romans zu sein, die er allerdings so schwach findet, dass sie hinter der überaus gelungenen Gesellschaftssatire verschwinde.
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