Indien ist ein erwachender Gigant. Jahrzehnte hatte ein verfehlter Staatssozialismus zu Wachstumshemmnissen geführt. Nie hatte die tatsächliche Weltstellung des Landes dem Ehrgeiz seiner Eliten entsprochen. Immer hatte es im Schatten der aufstrebenden Macht Chinas gestanden, in einer Schmuddelecke der Weltpolitik.Doch inzwischen haben energische Reformen die alten Fesseln gesprengt. Seit fünfzehn Jahren wächst das Bruttosozialprodukt mit Werten zwischen fünf und acht Prozent. Im Zuge dieses Erfolgs hat sich ein Mittelstand von 200 bis 300 Millionen Menschen entwickelt. Dieser Mittelstand gibt der erstaunlich robusten indischen Demokratie nun auch eine solide soziale Grundlage. Aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist noch lange nicht geschlossen, und die Gegensätze zwischen fortschrittlicher Stadt und rückständigem Land enthalten nach wie vor Stabilitätsrisiken.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.09.2006
Mit großem Gewinn hat Rezensent Thomas Speckmann Harald Müllers Buch über Indiens Aufstieg zur Weltmacht gelesen, das er als "Zwischenbilanz" einer beeindruckenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Subkontinents gelesen hat. Autor Harald Müller habe neben eindrucksvollen Daten und Fakten, mit denen er seine Einschätzung belege, besonderes Augenmerk auf die Möglichkeiten Europas, auf diese Entwicklung zu reagieren und sie im eigenen Interesse partnerschaftlich zu begleiten. Deswegen empfehle Müller den Europäern dringend, ihre Chancen für eine "effektive Zusammenarbeit" mit Indien nicht zu versäumen.
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