Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
In Bonn, Münster und Tübingen galt der junge Theologieprofessor Joseph Ratzinger als liberaler Vordenker. Als er 1981 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre wurde und somit die Nachfolge der römischen Großinquisitoren antrat, legte er seine kritischen Kollegen von einst an die Leine. 2005 überraschend zum Papst gewählt, wandelte sich Ratzinger noch einmal: Papa Benedetto lud seinen alten Rivalen Hans Küng zum Plaudern ein und widmete seine erste Enzyklika nicht der Verdammung moderner Ideen, sondern der (auch erotischen) Liebe. In dieser kritischen Biografie schildert der Theologe und Journalist Christian Feldmann die Brüche und Klippen im Leben des deutschen Papstes, seine Ängste und Visionen - und seine größte Sorge: dass die Christen vor lauter Scheu, als intolerant zu gelten, die Leidenschaft für die Wahrheit verlieren. Denn eine Gesellschaft, die sich ihre Werte per Mehrheitsentscheidung selbst aussucht, setzt laut Papst Benedikt die Grundlagen der Humanität aufs Spiel.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Als die bislang beste Ratzinger-Biografie lobt Rezensent Matthias Drobinski das vorliegende Buch von Christian Feldmann. In der Tat beweise Feldmann, der selbst bei Ratzinger in Regensburg studiert hat, dass Sympathie mit der beschriebenen Person und kritische Distanz sich keineswegs ausschließen müssen, ebensowenig "Lesbarkeit" und "Tiefgang". Feldmann beschreibe Ratzingers Lebensweg, seine theologische Position, die Konstanten und Brüche in seiner Zeit als Professor, und wage sogar ein Psychogramm des Papstes, das auch "das Zerrissene, Schroffe, Pessimistische und auch Ängstliche" in den Blick rückt. Feldmanns ambivalentes Porträt zeigt Ratzinger als einen "Vordenker nicht nur seiner Kirche", der jedoch mitunter arg kritikwürdige Ansichten vertritt, etwa die Verdammung homosexueller Lebenspartnerschaften. Diese Kritik lässt sich Feldmann auch nicht nehmen und bringt sie mit, wie der Rezensent findet, aufrichtiger Empörung" hervor, die zeigt, dass es sich hier nicht nur um ein Lippenbekenntnis handelt. Bedauerlich an dieser "ausgesprochen lesenswerten" Biografie ist nur, so die abschließende Bemerkung des Rezensenten, dass die Beschreibung des Pontifikats etwas zu kurz kommt, was wohl auch daran liegen mag, dass es ja noch recht jung ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2006
Friedrich Wilhelm Graf rümpft die Nase: Das soll eine kritische Biografie sein? Graf fehlt der Bezug zu den "diskursiven Welten" Ratzingers. Was er hier liest, kennt er größtenteils längst aus dem Fernsehen, aus Interviews, Predigten und Büchern des neuen Papstes. Das Buch hält er darum für einen weiteren Schnellschuss der "Benedetto-Deutungsindustrie", zu erkennen auch an den "trivialen Kommentaren" und dem Scheitern, Ratzingers vielfältiger Persönlichkeit anders als mit den bekannten Formeln beizukommen. Durch seinen unbedingten Willen, Widersprüche in Ratzingers Denken aufzudecken, meint Graf, entgehen dem Autor dessen "hohe Kontinuitäten" in der Ekklesiologie.
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