Bücherschau der Woche
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Klappentext
Karl Hau ist jung, lässig, begehrt, liebevoll, hochintelligent. Und er ist arrogant, ein Frauenheld und Verschwender. Aber ist er auch ein Mörder? 1906 steht er, der mit Lina Molitor nach einer Flucht und Heirat nach Amerika gegangen ist, in Karlsruhe vor Gericht. Er soll seine Schwiegermutter aus Geldgier umgebracht haben. In seinem Roman erzählt Bernd Schroeder die Geschichte eines rätselhaften Kriminalfalles und eines der großen Sensationsprozesse im letzten Jahrzehnt des deutschen Kaiserreichs.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2006
Rezensent Martin Krumbholz ist sichtlich angesteckt von dem authentischen Kriminalfall, den Bernd Schroeder in seinem Roman rekapituliert. Zuletzt werde der vermeintliche Mörder wegen seiner Andersartigkeit verurteilt. Der Roman zeigt dem Rezensenten zufolge noch deutlich, dass Bernd Schroeder ursprünglich ein Filmdrehbuch habe schreiben wollen. In verschachtelter Weise würden die verschiedenen Zeitebenen "virtuos" parallel erzählt. Auch seien die historischen Dokumente hervorragend präsentiert. Bernd Schroeder, so der Rezensent, hat einen "bemerkenswerten" Roman vorgelegt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
Kristina Maidt-Zinke weiß, dass sich schon einige an der Aufarbeitung des Falls von Karl Hau versucht haben, der 1906 wegen Mordes an seiner Schwiegermutter zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und 1926 unter zwielichtigen Umständen starb. An Bernd Schroeders historischem Roman besticht nach Ansicht der Rezensentin die gelungene Darstellung des ungreifbaren Charakters von Karl Hau, ein charismatischer Frauenheld und unbeirrter Entrepreneur, der viele Widersprüche in seiner Person vereinigte. Besonders überzeugend findet die begeisterte Rezensentin die raffinierte Erzählkonstruktion, die historische Realität und Fiktion geschickt vermischt und ohne die Ereignisse chronologisch aufzubereiten, dennoch nicht den fesselnden "Erzählfluss" abreißen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.10.2006
Die Rezensentin Wiebke Porombka zeigt an drei historischen Romanen (Bernd Schroeders "Hau", Felicitas Hoppes "Johanna" und T. Coopers "Lipshitz"), was der historische Roman der Gegenwartsliteratur beizubringen hat: die Reflexion über das Verhältnis von Fakt und Fiktion und den Willen zur bedingungslosen, poetischen Aneignung des Geschehenen. Im Vergleich zu den beiden anderen besprochenen Romanen schneidet Bernd Schroeders "Hau", der das Schicksal des 1907 wegen Mordes an seiner Schwiegermutter verurteilten Carl Hau aufrollt, allerdings nicht sonderlich gut ab. Schroeders Romankonstruktion, die sich auf die konventionellen Gestaltungsmittel des "dokumentarischen Romans" verlässt, wirkt auf die Rezensentin zu berechnet. Zu sehr erschöpfe sie sich in der ein und selben These, dass die Nebeneinanderstellung von Fakten augenblicklich "Illusion und Suggestion" gebiert und dass das dabei entstehende Gesamtbild lediglich ein "Vexierbild" ist, das auch in einem anderen Arrangement stimmig und sinnfällig wäre. Schroeder, so der Eindruck der Rezensentin, fehle es an Empathie und an eigentlicher Faszination für seinen Erzählstoff.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Der Held: ein Felix Krull ohne Fortune. Die Geschichte: ein toller Mix aus Dokumentarischem und freier Prosa. Für Marius Meller ergibt das einen gelungenen Reanimationsversuch am ideologisch verstaubten Dokumentarroman. Derart vergoldet, platziert er das Buch auf dem Regal zwischen Daniel Kehlmann und Gerhard Henschel, zwischen bestsellender History-Humoreske und eher unauffälliger Doku-Literatur. Da steht es ganz gut und beschert dem Interessierten nach Herausnahme und Lektüre nebst der persönlichen Geschichte des Karl Hau noch politische und kulturpolitische Implikationen. Die hat Bernd Schroeder, unter Vermeidung "greller Effekte", wie Meller versichert, und durch "minutiöse" Verzahnung von Prozessakten, Protokollen und frei flottierender Imagination nämlich fein herausgearbeitet. Spannend! Meint Meller. Und "wie durch Zauberhand" richtige Literatur, mit Zeitkolorit und allem Drumherum.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2006
Ursula März hat dieses Buch sehr gefallen. Bernd Schroeders Dokumentarroman erzählt die Geschichte eines Sensationsprozesses zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der 19-jährige Jurastudent Karl Hau lernt auf Korsika die aus einer Witwe und ihren zwei Töchtern bestehende Familie Molitor kennen. Die bürgerlichen Damen kommen aus Baden-Baden. Karl heiratet die älteste Tochter, betrügt sie nach Strich und Faden, macht eine kleine akademische Karriere, geht als Anwalt undurchsichtigen Geschäften nach, und wird schließlich verhaftet, weil er die Mutter seiner Frau aus Habgier verkleidet in Baden-Baden erstochen haben soll. Karl saß 18 Jahre im Gefängnis, tatsächlich konnte ihm der Mord jedoch nie zweifelsfrei nachgewiesen werden, lesen wir. Eine aufregende Geschichte, die Ursula März hervorragend erzählt findet. Karl Hau verkörpert in ihren Augen den modernen Menschen: schamlos und kleinbürgerlich zugleich, ein widersprüchlicher Charakter, dessen Geschichte Bernd Schroeder mit einer Sittengeschichte des Kaiserreichs verbinde. Besonders gefällt ihr die Konstruktion des Romans: wie ein "Kartenspiel" mische Schroeder Orte und Zeitebenen und orientiere sich dabei folgerichtig an den Regeln des Indizienprozesses.
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