Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay. Wenn Howard Belsey etwas hasst, dann sind es neokonservative Menschen. Ein Paradebeispiel ist für ihn sein Erzfeind Monty Kipps, wie er Universitätsprofessor und Rembrandt-Experte. Als sich Howards Sohn Jerome in Montys attraktive Tochter verliebt, fühlt sich Howard genötigt einzuschreiten - erotische, intellektuelle und familiäre Verwicklungen und Katastrophen nehmen ihren Lauf. Zadie Smith erzählt in ihrem dritten Roman die Geschichte einer mehr als turbulenten Familie zwischen England und Amerika, schwarz und weiß, Hässlichkeit und Schönheit, Liberalismus und Konservativismus.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Im Zentrum dieses in der kleinen Universitätsstadt Wellington angesiedelten Gesellschaftsromans, so der überaus beglückte Rezensent Tobias Heyl, steht der Konflikt zwischen zwei Familien, oder genauer gesagt zwischen zwei Familienoberhäuptern: dem innovativen und erfolglosen weißen Kunsthistoriker Howard Belsey und seinem konservativen und erfolgreichen schwarzen Kontrahenten Monty Kipps. Sehr gefallen hat dem Rezensenten, wie Zadie Smith diese Fronten aufweicht (etwa indem sie die Kinder aus aus der elterlichen Linie ausscheren lässt), wie sie zeigt, dass Fronten nie klar verlaufen. Mit viel Liebe zum Detail beschreibe Smith den "Planeten Wellington" als ein großes Chaos und vollziehe dieses Chaos erzählerisch nach, anstatt eine (auch von ihren Figuren herbeigesehnte) Ordnung anzustreben. Wie Smith selbst angebe, sei dieser Roman auch vor dem Hintergrund von E.M. Forsters "Wiedersehen in Howard's End" zu lesen: Auch ihren Figuren gehe es deutlich besser, je mehr sie sich von der Hoffnung auf bessere Zeiten verabschieden. Sie üben sich in Desillusionierung und werden dadurch nicht nur leichter, sondern wie der Rezensent findet, auch schöner.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2006
Als "wunderbare Lektüre" zum Wohlfühlen und "intellektuelles Vergnügen" lobt Rezensent Sebastian Domusch Zadie Smiths dritten Roman, seinen Informationen zufolge eine "Campusnovel cum Gesellschaftskomödie" vor multiethnischem Hintergrund. Auch hier zeige Smith wieder ihre Meisterschaft, mühelos zwischen Milieus und Kulturen hin- und herzuzappen, hier zwischen Universitätswelt und Einwanderermilieu. Domusch lobt auch das präzise Gespür der britischen Autorin für "sprechende Details". Erzählt werde die Geschichte zweier Paare und ihrer Familien, deren Mitglieder sich im Verlauf der Geschichte immer wieder begegnen. Dramaturgie und Struktur erinnern den Rezensenten an E. M. Forsters "Wiedersehen in Howards End". Doch entwickelt Smith aus seiner Sicht das Konzept von Forsters Buch zu einem multikulturellen Gesellschaftspanorama einer westlichen Gesellschaft, zeige verschiedene Lebensentwürfe und rekonstruiere die Spuren, die die ethnische Herkunft hinterlässt. Allerdings lässt Domusch auch deutlich durchblicken, dass ihm das Buch eine Spur zu gefällig und optimistisch geraten, das Smith aus seiner Sicht darin deutlich hinter ihren Möglichkeiten geblieben ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006
Rezensent Daniel Kehlmann ist äußerst angetan von Zadie Smiths neuem Buch, und freut sich am "überbordende Erzählstil" dieser Autorin. "Klug, geistreich", "grandios" lauten die Prädikate, mit denen er ihren dritten Roman prämiert, der seinen Informationen zufolge wieder um ihr bekanntes Grundmotiv, die "kulturellen Durchmischung" der westlichen Gesellschaft kreist. Voller Leserglück präsentiert er einige Details aus dem "locker geknüpften Handlungsgerüst" dieser Ehe- und Familiengeschichte aus dem amerikanischen Universitätsmilieu, freut sich an einer "Unzahl von Episoden, Abschweifungen", messerscharfen Beobachtung und "genialen" Szenen. Und doch vermisst er etwas in diesem Buch, nämlich eine Figur wie Samad Iqubal, der moslemische Protagonist ihres großartigen Debüts "Zähne zeigen": Dessen "subtiler Wahnsinn", seine "polternde Aufdringlichkeit" fehlt dem neuen Roman aus Kehlmanns Sicht, der sich so um die allerletzte Würze gebracht sieht. Trotzdem macht sich der Rezensent keine Sorgen. Denn er ist sicher, bald werden Zadie Smiths Bücher zum Literatur-Kanon gehören.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2006
Zadie Smiths neuer Roman ist Rezensent Thomas Leuchtenmüller zufolge nicht unbedingt ihr bester. Trotzdem findet er ihn insgesamt durchaus lesenswert. Denn wie schon in früheren Büchern besticht die Autorin mit präzise beobachteten Schilderungen des multikulturellen Milieus in London, das schon die Folie frühere Bücher dieser Autorin war. Der Rezensent warnt davor, sich von der vordergründig "gewöhnlich schmeckenden literarischen Kost" der Handlung täuschen zu lassen. Denn wer die Eheverwicklungen eines reifen Akademikerpaars beiseite schiebt, erkennt laut Leuchtenmüller "präzise umrissene soziale und seelische Lagen" der Protagonisten , die von deren ethnischen Wurzeln geprägt sind. Smith verstehe es außerdem, Milieus, Eigenheiten, Gegensätze und Gemeinsamkeiten von Schwarzen, Mischlingen, Männern und Frauen, Briten und Amerikanern zu einer "faszinierenden Einheit" zu verweben, von deren Suggestivkraft sich der Rezensent immer wieder beeindruckt zeigt. Auch Übersetzer Marcus Ingendaay , der sich Leuchtenmüller zufolge Smiths "kargem und anschaulichen Stil" hier erstmalig angenommen hat, wird als"brillant" gepriesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.09.2006
Beeindruckt zeigt sich Rezensentin Insa Wilke von Zadie Smith' neuem Roman, auch wenn sie darin nicht den epochalen Wurf sehen mag. Das stört sie aber nicht, weil Smith sich im Vergleich zu ihrem ersten Roman interessant weiterentwickelt hat. Angelehnt an Edward Morgan Forsters "Wiedersehen in Howards End" erzählt "Von der Schönheit" vom Aufeinanderprallen konservativen und liberalen Denkens im amerikanischen Akademiker-Milieu der Gegenwart. Wilke unterstreicht die Fülle von Themen und Perspektiven, die Smith aufgreift. Manchmal scheint ihr diese Fülle fast ein wenig erschlagend, wäre da nicht Smith' so vitale Kunst des Erzählens. Vor allem gelingt es der Autorin, immer Komik und Ernst im Gleichgewicht zu halten. Besonders sympathisch findet Wilke den Ton, den die Autorin anschlägt und den als "warm und distanziert, bloßstellend und Sympathie bekundend, ungerührt und amüsiert" beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2006
Über eines, so die Rezensentin Felicitas von Lovenberg, muss man sich nach diesem zweiten Roman der mit "Zähne Zeigen" so schnell berühmt gewordenen Zadie Smith keine Sorgen machen: dass es sich um eine Eintagsfliege handle. Eindrucksvoll bestätige sie vielmehr ihr Talent, auch ihre Vielseitigkeit, indem sie in ihrer ausdrücklichen Hommage an E.M. Forsters "Wiedersehen in Howards End" die Campus-Novel mit dem Gesellschafts- und Bildungsroman zu einer Lesevergnügen bereitenden Mischung zusammenkomponiert. Gegeneinander stehen hier zwei Familien, die aufgeklärt-liberal-amerikanischen Belseys und die protestantisch-britischen Kipps, zwischen denen es freilich in der Kindergeneration zu amourösen Verwicklungen kommt, die mancherlei Gewissheit zum Einsturz bringen. Der Übersetzer Marcus Ingendaay hat, lobt von Lovenberg, sein Möglichstes getan, die sprachliche Vielschichtigkeit aus Idiomen und Slangs ins Deutsche zu bringen.
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