Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Florian Illies

Ortsgespräch

Cover: Ortsgespräch

Karl Blessing Verlag, München 2006
ISBN-10 3896672622
ISBN-13 9783896672629
Gebunden, 205 Seiten, 16,95 EUR

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Klappentext

Eingebettet in die bewaldeten Hügel und sattgrünen Wiesen des Fuldatals liegt ein schmuckes kleines Städtchen. Es hat einen stillgelegten Bahnhof, eine Post, ein Heimatmuseum und die größte Kerze der Welt. Die Kirche ist aus dem Jahre 812 und die Pizzeria von 1985. Dieser Ort heißt Schlitz. Er steht exemplarisch für den schönsten aller Orte: Heimat. Jenen Ort, gegen den wir uns oft wehren wollen, aber nicht wehren können. Unsere Verbindung wird gehalten. "Ortsgespräch" erzählt von der Liebe zum Landleben und zu dem sagenhaften Zwischenreich der deutschen Provinz, von der Erinnerung an Schwimmbadwiese und Karnevalssitzung, an den Schreibwarenladen um die Ecke und die Apfelernte im Herbst. Aber natürlich geht es nicht nur um die Traumbilder der Vergangenheit, sondern auch um die Veränderungen der Gegenwart. Um unheimliche Klassentreffen und "Total Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe". Darum, wie Heimat dem Selektionsdruck im global village manchmal standhält und ihm manchmal umso hoffnungsloser ausgeliefert ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2006

Rezensent Wolfgang Schneider findet einigen Unterhaltungswert in Florian Illies Provinzbetrachtungen, richtig überzeugt ist er von "Ortsgespräch" allerdings nicht. Dafür wirkt vieles von dem, was der Autor beschreibt, doch zu läppisch - auch wenn, wie der Rezensent einräumt, der Reiz des Buches gerade in den Nebensächlichkeiten liegt. Doch auch die "hausbackene Frivolität", an der sich Illies bisweilen versucht, findet Schneider misslungen. Seine Kritikpunkte sind größtenteils der mangelnden inhaltlichen Substanz geschuldet, vielleicht stört ihn auch, dass in seinen Schwärmereien über die Provinz wenig Herzblut steckt: "Ironisch abgefedert zelebriert der Autor eine Sehnsucht nach der Provinz, die er vermutlich selbst nur in sehr beherrschbarem Maß hat." Vom handwerklichen Standpunkt betrachtet, gefällt dem Rezensenten das Buch jedoch. Er lobt Illies "Formulierungswitz" und nennt ihn einen "Beobachtungsvirtuosen".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2006

Dafür, dass der Autor des Buchs mit den "Berliner Seiten" der "FAZ" einst der Stichwortgeber für eine ganze Kohorte von Journalisten nicht nur dieser Zeitung war, kommt Edo Reents' Kritik recht vernichtend daher. Der Rezensent kann sich keinen richtigen Reim darauf machen, was Autor Florian Illies mit diesem Buch eigentlich bezweckt. Was Illies als heimatlich schildert, kommt Reents schlecht allgemein, recht eigentlich banal vor. Altmodische Tanten gibt's auch in der Großstadt, und Nutella hat jeder schon mal gegessen. Zuweilen scheint Illies aber die Oberfläche soweit schillern zu lassen, dass man Tiefe darunter vermuten könnte. Reents ist sich hier nicht ganz sicher. Eins aber gefällt ihm: die Erzählhaltung des Autoren. Die "Freundlichkeit", mit der sich der Autor seinem Thema "Provinz" nähert, belege eine "Weltoffenheit, die sich nicht zu fein dafür ist, sich auch ums Abgelegene, wenig Glanzvolle zu kümmern".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2006

Florian Illies ist für Ijoma Mangold der "größte lebende Zustimmungserheischer", was bedeutet, dass Illies es offenbar mit leichter Hand gelingt, genau jene Bilder aus dem Alltag der Deutschen herauszupicken, die jedem gängig sind, von der Arschbombe bis zur Nutella-Folie. Das findet Mangold auch nicht schlimm, eher bewundernswert. Widerspruch sei schlechterdings nicht möglich, der Wiedererkennungswert groß und wahrscheinlich auch das Erfolgsgeheimnis des Bestsellerautors. Die Provinz werde hier zu einem biedermeierhaften Abbild, das Mangold aber so sympathisch erscheint, dass er am Ende der Lektüre das Bedürfnis verspürt, selbst in Schlitz aufgewachsen zu sein. Denn Illies, das müsse man ihm lassen, ist zwar ein Konservativer und Idylliker, aber ein "Idylliker von Format".

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.08.2006

Mit ätzender Kritik übergießt Kolja Mensing Florian Illies' Rückkehr nach Schlitz, seinen oberhessischen Heimatort. Der Bestsellerautor bietet hier nur einen "sentimentalen Neokonservatismus für Arme" an, schimpft der Rezensent. Die Provinz, wie sie Florian Illies hier beschreibt, ist für Mensing nicht mehr als Ansammlung von Nostalgie und Klischees. Die Beschreibung seiner Heimatstadt als von der globalen Beschleunigung unberührter Ort entspricht laut Mensing dem Ideal des Ländlichen im 19. Jahrhundert. Illies' Neigung, die aktuelle Entwicklung voller Aldi-Märkte und Zersiedelung einfach zu unterschlagen, stört den Rezensenten ganz offensichtlich. Illies' Provinz ähnele einem "Heinz-Erhardt-Film aus den Fünfzigerjahren", wobei der noch witziger sein dürfte. Mensing jedenfalls krümmt sich bei Illies' humorigen Versuchen eher als dass er lacht. Und der Hauch von Ironie und Melancholie, die Illies' früheres Schaffen in den Augen des Rezensenten ausgezeichnet haben, ist nunmehr offenbar ganz verweht.

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