Willy Brandt war der bedeutendste und am längsten amtierende Vorsitzende der SPD nach 1945. Und als erster sozialdemokratischer Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gehört der Schöpfer von Ost- und Entspannungspolitik zu den wichtigsten Politikern in der Geschichte der Bundesrepublik. Der hier vorliegende Band rückt bisher vernachlässigte, aber zentrale Aspekte der Biografie und der Politik Willy Brandts in den Mittelpunkt: sein Verhältnis zur SPD, sein Führungsstil als Parteivorsitzender, seinen spezifischen Politikstil, sein Verhältnis zu den Massenmedien im In- und Ausland sowie seine Medienpolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.08.2006
Kann man zu Brandt überhaupt noch etwas Neues sagen, fragt Richard Meng, und beantwortet seine rhetorische Frage gleich mit einem entschiedenen Ja. Daniela Münkel schaffe Neuwert, in dem sie Willy Brandt als ersten Medienkanzler porträtiere, der schon lange vor Gerhard Schröder die Mechanismen der Presse kannte und zu seinen Gunsten ausnutzte. Selbst der Kniefall in Warschau, so vermutet Münkel, war kalkuliert, und Meng widerspricht dieser Einschätzung nicht. Nur einmal, wenn Münkel die Journalisten als Brandts "gleichberechtigte Partner" bezeichnet, findet Meng das etwas übertrieben. Das Material selbst ist bis auf den Schlusstext über Brandts Auseinandersetzungen mit seinen Enkeln und insbesondere Lafontaine in den späten Achtzigern schon einmal in einzelnen Aufsätzen erschienen, informiert der Rezensent, was er aber nicht als Nachteil verstanden haben will. Der abschließende Text erfährt zudem besonderes Lob, Meng versteht ihn als neuen "Beitrag zur Parteigeschichtsschreibung" der SPD.
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