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Theodor Sapper
Kettenreaktion Kontra
Assoziationsgewebe eines Verfolgten aus den Terrorjahren 1938-1945
Klappentext
Herausgegeben von Hartmut Zelinsky. Wien, im Kriegsjahr 1942. Der junge Schriftsteller Hans Pfingster ist vom Wehrdienst freigestellt, aber umso durchlässiger für das alltägliche Grauen der Diktatur, die Atmosphäre von Lüge und Verfolgung. Während sich sein Bewusstsein gleichsam in einer schizoiden "Kettenreaktion" zersetzt, versucht Pfingster schreibend, sein "Kontra" zur Zerstörung der Humanität zu formulieren. Im Sommer 1943 verlässt er Wien, und auf einer Wanderung durch die Alpen wird ihm auch die Natur zur Fratze einer pervertierten Zivilisation. In einer Gebirgsstadt erwartet Pfingster in einem Bombenkeller schließlich die Befreiung. Nur unzulänglich gibt die äußere Handlung wieder, was die Größe des Zeitromans "Kettenreaktion Kontra" ausmacht. Sein Autor Theodor Sapper, Widerstandskreisen in Graz und Wien nahe, vollendete ihn nach dem Krieg. Als "Wort-Requiem" auf eine Zivilisationskatastrophe, gewidmet den Opfern der Rassenverfolgung, verstand er ihn, und kein Geringerer als Elias Canetti konstatierte 1952 in einem Brief an den Autor: "Das Erlebnis jener Jahre von innen her zu fassen (...) ich weiß niemand sonst, dem dies gelungen ist."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2006
Hohe Anerkennung zollt Roman Luckscheiter diesem Werk des 1982 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Theodor Sappers, das nun, knapp fünfzig Jahre nach seinem Entstehen vorliegt. Er beschreibt den aus dem gewaltigen Gedankenstrom eines "Verfolgten aus den Terrorjahren 1938-1945" bestehenden Roman als "gewagtes psychopoetisches Konstrukt", das auf ihn mal wie ein später Beitrag zur "sogenannten Nervenkunst der Jahrhundertwende" wirkt. Stilistisch ordnet er das Werk dem Expressionismus zu. Während diese literarische Strömung ihre eigene Zukunftsgewissheit pries, scheint Luckscheiter der Expressionismus hier freilich dazu genutzt, "um eine Endzeitstimmung zu verarbeiten". Neben der Erinnerung an die Opfer des Naziterrors findet er in dem Werk dann auch einen Abgesang auf die Hoffnungen der gestalterischen Möglichkeiten der Intellektuellen. Das "kulturelle Gedächtnis" - die zahllosen Verweise nicht nur auf die Antike, sondern auch auf die Geschichte der Inka und Azteken, auf taoistische Weisheiten sowie auf Schelling, Hölderlin und Hegel -, das der Autor seiner Figur wie auch sich selbst als Rettungsring anbietet, erscheint Luckscheiter so als "pathetischer Ausdruck einer geistigen Lähmung". Als Roman allerdings bietet es seines Erachtens ein "unvergleichliches Monument von Anklage und Selbstanzeige".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2006
Tiefen Eindruck hat Theodor Sappers Roman "Kettenreaktion Kontra" auf Rezensent Karl-Markus Gauß gemacht. Das Erscheinen dieses lange vergessenen Werks des von Zeitgenossen wie Canetti und Broch hochgeschätzten, aber erfolglosen österreichischen Autors (1905-1982) betrachtet er als literarisches Ereignis. Er würdigt ausdrücklich alle daran Beteiligten und lobt Herausgeber Hartmut Zelinsky für Nachwort und Kommentar. Für das Buch selbst fehlt Gauß jeder Vergleich. Er verzichtet darauf, den Inhalt des Werks wiederzugeben, belässt es beim Hinweis, es handle sich um den gewaltigen vielschichtigen inneren Monolog eines durch eine verwüstete Welt wandernden jungen Schriftstellers. Die Handlung erscheint ihm zweitrangig, da sich seines Erachtens alles Bedeutsame auf der Metaebene abspielt, in naturwissenschaftlichen, politischen und kunsthistorischen Exkursen, in einem dichten Assoziationsgewebe. Dabei hebt Gauss auch das Spiel mit verschiedenen Bedeutungen und Ebenen sowie die überreichen literarischen, politischen und mythologischen Bezüge hervor. Er unterschlägt auch nicht, dass die Lektüre des Werks alles andere als Sonntagsspaziergang war. "Wer jedoch entschlossen seinen eigenen Weg durch dieses totgeschwiegene Meisterwerk der österreichischen Literatur geht", resümiert der Rezensent, "wird aus dem Staunen kaum herausfinden."
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