Andreas Fischer-Lescano befasst sich mit den Geltungsgrundlagen des Weltrechts. Im Zentrum seiner rechtssoziologischen Untersuchung steht die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit eines globalen Menschenrechts. Er zeichnet die Binnendifferenzierungen dieses Weltrechts und seine strukturelle Kopplung an die Weltpolitik nach. In der Tradition rechtspluralistischer Theorien beschreibt er globale Skandalisierungsprozesse, in denen Menschenrechtsbewegungen und NGOs auf Verletzungen aufmerksam machen, und betont die weltrechtsetzende Dimension der zivilgesellschaftlichen Rechtskommunikationen, die das Geltungssymbol des Rechts transportieren können, wenn sie das Skript einer "colere publique mondiale" annehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2006
Zunächst vom annoncierten systemtheoretischen Ansatz angelockt, legt Christoph Möllers das Buch von Andreas Fischer-Lescano am Ende doch enttäuscht aus der Hand. Gern folgt er zunächst dem Autor bei seinem Versuch, den Begriff Verfassung mit Luhmann evolutionär zu denken und die Entstehung von Menschenrechten als Folge politischer Mobilisierung zu sehen. Das vom Autor angeführte Beispiel der Machenschaften der argentinischen Militärjunta aber genügt Möller nicht. Und je mehr er nach einer Bestätigung der aufgestellten These sucht, desto weniger überzeugt ihn das Buch. Der Fall Argentinien lasse sich nicht verallgemeinern, erklärt Möller, und wirft dem Autor gar ein "vordemokratisches Politikverständnis" vor. Die schöne Systemtheorie aber sieht er andauernd untergraben von einem wenig aussagekräftigen Menschenrechtspathos. Das zu allem Überfluss in einer "durchweg unglücklichen Sprache" verfasste Werk zerfällt schließlich aus Mangel an Stringenz.
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