Um 1900 tritt der Anspruch, Projekte für nicht weniger als die Welt zu schmieden, fast inflationär in Erscheinung. Markus Krajewski geht der Frage nach, wie es zu diesen Weltprojekten kommen konnte, und schildert vor diesem Hintergrund drei Projektemacher und ihre Pläne: Wilhelm Ostwalds Weltstandards, Franz M. Feldhaus und seine Weltgeschichte der Technik, Walter Rathenau und die Kriegswirtschaft nach 1914.
Eine lohnende Lektüre sieht Niels Weber in Markus Krajewskis Studie über die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfolgten Weltprojekte Wilhelm Ostwalds, Franz M. Feldhaus' und Walter Rathenaus. Besonders angetan ist er von Krajewskis Ausführungen über die globale Dimension der von Ostwald propagierten Standardisierungen etwa im Blick auf eine Weltwährung. Die herrschende Meinung damals, jeder noch so verwegene globale Entwurf solle und könne realisiert werden, findet Weber auch in der Gegenwart wieder. Das Muster bleibe bis heute dasselbe. Übersehen wird dabei seines Erachtens, dass die Einführung von globalen Normen, Standards und Regeln immer - damals wie heute - erbitterte Kämpfe der Nationalökonomien, Kulturen und Weltmächte nach sich ziehen. Alles in allem scheint Weber Krajewskis Blick auf die erste Phase der Globalisierung höchst aufschlussreich - auch hinsichtlich aktueller Beschreibungen der Globalisierung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2006
Markus Krajewski und die darin beschriebenen Vorstellungen der Einheitlichkeitsdenker von Wilhelm Ostwald bis Walter Rathenau. Krajewski gelinge es, die "bürokratisch-kafkesken" Facetten dieser Fantasie von einer grundsätzlich neuen Ordnung der Welt aus einem Gedanken heraus - etwa dem Aspekt des Energiesparens, wie es Ostwald propagierte - packend und konzentriert darzulegen. Geyer empfiehlt auch die beiden Vorgängerbücher, "Zettelwirtschaft" und "Projektemacher" zur ergänzenden Lektüre. Insgesamt ist der Rezensent ganz entzündet von der fiebrigen und aussichtsloen Idee dieser monadistischen Denker, die Welt in ihrer Gesamtheit zu ordnen. Ganz umsonst war das alles abe rnicht. So monierte Ostwald schon 1909 die Formatvielfalt der Bücherwelt. "Das war die Geburtsstunde von DIN A4", kommentiert Geyer, nur halb im Scherz.
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