Der vorliegende Band gibt einen umfassenden Einblick in die Geschichte und Kultur der in Europa weitgehend unbekannten französischsprachigen Minderheit der Akadier in den atlantischen Provinzen Kanadas und im US-Staat Louisiana. Dabei entsteht die Geschichte des 400-jährigen Überlebenskampfes eines Volkes, dessen Vorfahren im 17. Jahrhundert aus Frankreich aufbrachen, um sich in Nordamerika eine neue Heimat aufzubauen und das die multikulturelle kanadische bzw. nordamerikanische Gesellschaft nachhaltig geprägt hat. Der Band umfasst drei Hauptteile: die erste deutschsprachige Geschichte der Akadier von 1604 bis heute (verfasst von Ingo Kolboom), eine literarische Anthologie mit französischsprachigen Originaltexten aus vier Jahrhunderten (zusammengestellt und kommentiert von Roberto Mann) und eine Abteilung mit kürzeren Gastbeiträgen zur Sprache der Akadier (von Ingrid Neumann-Holzschuh), zum akadischen Film (von Thomas Scheufler), zwei literarischen Essays aus Kanada und Sachsen (Jacques Gauthier, Sandra Eulitz) sowie einem Nachwort von Maurice Basque, dem Direktor des Zentrums für akadische Studien der "Universite de Moncton" (Neubraunschweig) als Kooperationspartner des Projekts. Der Anhang enthält ein Glossar mit Akadianismen, eine chronologische Übersicht, eine umfangreiche Gesamtbibliographie sowie eine Liste von Internetadressen. Beigelegt sind eine DVD mit einem Dokumentarfilm über die Akadier von Eva und Georg Bense sowie eine CD mit Materialien, Texten, Bildern, Videos und Musikbeispielen (bearbeitet von Thomas Scheufler).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2006
Tilman Spreckelsen wählt den lyrisch-schweifenden Einstieg ins Thema, zitiert Longfellow und sagt zum Buch selbst nicht allzu viel. Immerhin scheint er froh über die Aufmerksamkeit, die dem kleinen Volk der Akadier mit diesem Werk entgegengebracht wird. Manchmal wird ihm das Wohlwollen gegenüber dem Völkchen der Akadier aber zu viel: im Aufsatz über die akadische Geschichte und in der überdimensionierten Sammlung akadischer Literatur. Die Klärung sprachlicher Besonderheiten der kleinen frankophonen Kolonie in Amerika sowie das umfangreiche digitale Begleitmaterial aber stimmen ihn milde. Und respektvoll angesichts dieses "seltenen Willens zur Vollständigkeit".
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