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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Fernando Pessoa

Antonio Mora: Die Rückkehr der Götter

Erinnerungen an den Meister Caeiro

Cover: Antonio Mora: Die Rückkehr der Götter

Ammann Verlag, Zürich 2006
ISBN-10 3250104523
ISBN-13 9783250104520
Gebunden, 527 Seiten, 39,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Portugiesischen übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Steffen Dix. Mit diesem Prosa-Buch, ähnlich wie "Das Buch der Unruhe", tritt erstmals auf deutsch ein Pessoa zutage, der sich hinter dem Heteronym Antonio Mora verbirgt und religionsphilosophische Fragen aufwirft, Fragen zur Rückkehr der antiken Götter, Fragen zu einem neuen Heidentum. - Pessoa sagt von sich: "Ich war ein von der Philosophie angeregter Dichter und kein Philosoph mit dichterischen Fähigkeiten", und so liest sich denn auch dieses Fesseln sprengende, aufmüpfige und anregende, verstörende Werk. Mora ist eines der spannendsten Heteronyme Pessoas, er nimmt die Fragen von Caeiro auf und sieht alle Dinge als Dinge, ohne weitere Dimension oder metaphysische Exegese. Die Fragestellungen sind von Aktualität, wird doch heute, nach der religiösen, moralischen und politischen Verunsicherung durch die Moderne, vermehrt von verschiedenartigsten Gottheiten (im Gegensatz zu den monotheistischen Glaubensrichtungen) gesprochen. Mora, der Meister Caeiro - und damit Pessoa - gehen radikal weiter als Nietzsche mit seiner Religionskritik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2006

Wie gern wäre Hans-Martin Gauger Fernando Pessoas Freund. Dann könnte er mit ihm über die befriedende Wirkung des Polytheismus diskutieren. So aber muss Geiger mit den Büchern vorlieb nehmen, für die er sich beim Amman Verlag herzlich bedankt. Vorliegendes gefällt ihm sehr. Dass die Texte nicht neu sind, nur neu geordnet und übersetzt, ist offenbar kein Nachteil. Ausdrücklich lobt Gauger die Arbeit des Herausgebers. Den Text charakterisiert er als "philosophische Prosa" , "leicht und klar" und "originell". Gauger kommt über über Pessoas Spiel mit Heteronymen ins Schwärmen, das hier die Gestalt des Antonio Mora als Autor gebiert. Dieser Mora, lässt Gauger uns wissen, kann als poetischer Altphilologie durchaus bestehen. Wenn Gauger ihn auch nicht mit Hölderlin oder Nietzsche vergleichen will: Was er über Griechenlands Götter zu sagen hat, imponiert ihm.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.06.2006

Recht unbefriedigt zurückgelassen haben Rolf Vollmann diese aus dem Nachlass Fernando Pessoas zusammengestellten Texte, Notizen und Fragmente, die alle lose durch einen religiösen Bezug zusammengehalten werden. Pessoa war "kein großer Denker", seufzt Vollmann, und so kann er mit den hier geäußerten Gedanken, die oft auch noch mittendrin abbrechen, wenn es gerade spannend wird, wenig anfangen. Dem Schriftsteller fehlt oft einfach die philosophische Kompetenz, vermutet der Rezensent, wenn er etwa Hegels Vernunft mit Rationalität wiedergibt. Tja, außer Spesen nichts gewesen, seufzt Vollmann, der zwar hier und da einige helle Funken entdeckt hat, die sich aber nie zu einem anständigen Geistesblitz entwickeln.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2006

Gedankennahrung für Jahrzehnte verspricht Andreas Dorschel den Lesern von Fernando Pessoas "Die Rückkehr der Götter", das Steffen Dix in ein "lebendiges Deutsch hinübergerettet" habe. Pessoa greift in diesem Buch, dessen Wunder dem Rezensenten als unausschöpflich erscheinen, auf einen bewährten Kunstgriff zurück: Er erfindet Autoren, die für ihn zur Feder greifen; ein ganzes Kabinett von Kunstfiguren: Antãnio Mora, Alvaro de Campos, Alberto Caeiro und Ricardo Reis melden sich abwechselnd zu Wort, um "das Programm eines neuen Heidentums" weniger darzulegen denn zu diskutieren, von allen Seiten zu beleuchten, in seine Facetten zu zerlegen. Doch gibt es mehr als nur ideentheoretischen Genuss. Pessoa, "Alteuropas rhetorischer Tradition verbunden", lässt seinen Witz leuchten und schreibt mit "kristalliner Klarheit" über so Vertracktes, dass der Leser, sobald er das Buch zuklappt, mit dem Gefühl zurückbleibt, er habe, obgleich doch kein Satz unverständlich war, ein Mysterium nur gestreift. Kurz und gut: "Ein ingeniöses Stück Literatur."

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