In einer sich globalisierenden Welt verschärft sich der institutionelle Wettbewerb zwischen Staaten. Dies ist nicht nur ein aktuelles, sondern ein historisches Phänomen, das sich besonders im Zuge der Herausbildung des modernen Regulierungsstaates in den Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg bemerkbar machte. Zugleich nahm das Bedürfnis nach Zusammenarbeit und Koordinierung nationaler Standards zu. Bereits in dieser ersten Phase weltwirtschaftlicher und europäischer Integration zeigten sich die Gründe für Institutionenwettbewerb zwischen Staaten, seine Funktionsmechanismen und seine Grenzen. Das Zusammenwachsen nationaler Märkte machten nicht nur nationale, sondern auch internationale Standardisierungen notwendig entweder unkoordiniert im wirtschaftlichen und politischen Wettbewerb oder koordiniert über politische Harmonisierung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2006
Viel Anerkennung erhält Gerold Ambrosius' Studie von Rezensent Milos Vec. Die Fragestellung sei schon ungewöhnlich, und die aufgebotenen Detailkenntnisse erst recht. Der Autor untersuche die wirtschaftlichen "Regulierungsmuster" des 19. Jahrhunderts, um aus ihnen auch für heute gültige Hypothesen zu gewinnen. Seine notwendig selektive Auswahl an Untersuchungsbereichen wie Lebensmittelschutz, Arbeitsschutz, Patentschutz etc. hält der Rezensent für angemessen "repräsentativ". Vor allem aber seien die Schlussfolgerunen des Autors differenziert und "umsichtig". Nur bei der Zuckerkonvention von 1902 zeigt sich der Rezensent nicht ganz überzeugt über das "analytische Kriterium" einer "Produkt- bzw. Prozeßregulierung". Insgesamt könne die Wirtschaftswissenschaft mit ihrer "Fixierung auf den Staat" viel bei einer solchen geschichtswissenschaftlichen und differenzierenden Studie lernen.
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