Bücher der Saison
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Klappentext
Vom Autor für die deutsche Ausgabe aktualisiert und mit einem Nachwort von Klaus-Dieter Lehmann. Ein gigantisches Vorhaben: Innerhalb von sechs Jahren will Google 15 Millionen gedruckte Bücher scannen und weltweit zugänglich machen. Demokratisierung des Weltwissens oder Diktatur eines angloamerikanischen Kanons? Der Direktor der Bibliotheque nationale de France, Jean-Noel Jeanneney, ruft zum Widerstand auf und wirbt für eine europäische Alternative.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2006
Als selbstproklamierte Kampfschrift nimmt sich der Inhalt dieses Buch einigermaßen "redundant" aus, ärgert sich Joachim Güntner: Alles, was von einem Präsidenten der Französischen Nationalbibliothek zu erwarten ist, komme darin vor: Fragen der Grenzen der digitalen Speicherfähigkeit, Bedenken gegen eine amerikanische Hegemonie in der Deutung und Inventarisierung des schriftlichen Erbes und die Befürchtung, das werbefinanzierte Projekt könnte den Massengeschmack als letztgültiges Auswahlkriterium etablieren. Daneben, so Güntner, lassen sich eine ganze Reihe von "krausen antiamerikanischen Invektiven" finden, obgleich Jeanneney versichert, keineswegs antiamerikanisch gestimmt zu sein. Das grimmige Fazit: "Die Popularität, die diese 'Kampfschrift' zurzeit genießt, steht leider in keinem Verhältnis zu ihrer dürftigen Substanz."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2006
Jean-Noel Jeanneneys Polemik, in der sich der Präsident der Französischen Nationalbibliothek gegen das Google-Großprojekt einer 15 Millionen Werke umfassenden digitalisierten Weltbibliothek wendet, würdigt Joseph Hanimann als "notwendigen Paukenschlag". Nach Ansicht des französischen Autors handelt es sich bei der "vollmundigen Rhetorik" von Google, mit der anvisierten digitalen Bibliothek eine "universelle Demokratisierung des Weltwissens" zu befördern, um eine "Illusion", weil das Projekt in Wahrheit eine Amerikanisierung bewirkt. Der Band zeichnet die heftige Debatte nach, die um dieses Thema geführt wird, und bringt sie in einem Vor- und Nachwort "auf den aktuellen Stand" teilt Hanimann mit. Zwar neige der Autor durchaus zur "Dramatisierung" der Bedrohung, doch sei der "leicht überzogene Tonfall" im Hinblick auf den beabsichtigten Weckruf durchaus funktional. Als "Grundlagenbeitrag zum Thema digitalisierter Weltbibliotheken" findet Hanimann allerdings, dass sich Jeanneney allzu sehr auf das Google-Vorhaben konzentriert. Nach diesem "notwendigen" und lautstarken Protest muss nun aber bald eine Differenzierung der Thematik einsetzen, wünscht sich der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2006
Als "kleine Kampfschrift" würdigt Martina Meister diesen Text über "Googles Herausforderung", den der Leiter der französischen Nationalbibliothek Jean-Noel Jeanneney verfasst hat. Gegenstand des Streits: "Google Print", das Vorhaben der amerikanische Firma Google zusammen mit vier renommierten amerikanischen Bibliotheken und der Universitätsbibliothek von Oxford 15 Millionen Bücher zu digitalisieren. Meister schildert die hitzigen öffentlichen Diskussionen, zu denen das Projekt in Frankreich (anders als in Deutschland) geführt hat: von kultureller Hegemonie sei die Rede gewesen und von der ewigen Dominanz der Amerikaner über die Europäer. Sie versteht das Buch als Plädoyer, die Herausforderung anzunehmen, und Google das Feld nicht allein zu überlassen. Jeanneneys Beschreibung der Konsequenzen einer Digitalisierung des schriftlichen Kulturerbes unter amerikanisch-kommerziellem Monopol findet Meister recht "eindringlich". Einen Erfolg konnte der Autor mit seiner Mahnruf bereits verbuchen, hebt die Rezensentin hervor: Die Europäische Union will eine gemeinsame virtuelle Bibliothek aufbauen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2006
Durchgehend überzeugt ist Jörg Plath nicht von Jean-Noel Jeanneneys Werbeschrift für die Gründung einer digitalen europäischen Bibliothek. Zwar gesteht er dem Leiter der französischen Nationalbibliothek, der Googles Digitalisierung von 15 Millionen Büchern eine europäische Variante entgegensetzen will, durchaus zu, einige "wichtige und streitbare Einwände" vorgebracht zu haben, aber eben auch einige "zumindest hierzulande skurril" wirkende Argumente, wie der Hinweis auf den "seligen" Charles de Gaulle, der die Unterwerfung unter den Markt mit der unter die Amerikaner gleichgesetzt hatte. Was Plath aber am meisten stört ist Jeanneneys Vernachlässigung der wichtigen Detailfragen in der Umsetzung des vorgeschlagenen Riesenprojekts. Problemen wie Urheberrechte oder Kosten widme der Autor bloß einige wenige "bürokratische Seiten, die zusammenzufassen nur alten Hasen der Parlamentsberichterstattung gelingen dürfte".
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