Unterdrückte Töchter, gedemütigte Schwestern, verkaufte Bräute - ist das der Alltag von Türkinnen in Deutschland? Hilal Sezgin ist durch die Republik gereist und zeigt: Auch die wirkliche Wirklichkeit kann uns in ihren Bann ziehen. Und mehr als das! Von selbstbewussten Frauen wird erzählt, die ihren Weg verfolgen. Von Deutsch-Türkinnen jenseits familiärer Fremdbestimmung. Ob als Frauenärztin oder Popmusikerin, ob als Rechtsanwältin oder Hausfrau, ob mit Kopftuch oder ohne: "Typisch Türkin" gibt's nicht mehr. Das bunte Panorama einer Generation entsteht, die den Spagat wagt zwischen Integration und Tradition - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2006
Cathrin Kahlweit bespricht vier Bücher, die sich mit den spezifischen Problemen der Kinder türkischer Migranten in Deutschland befassen. Hilal Sezgin will den Negativschlagzeilen der letzten Zeit "Highlights" entgegensetzen, indem sie Frauen vorstellt, die erfolgreiche Lebensläufe aufzuweisen haben. In ihrer kurzen Besprechung des Buches, in dem die Autorin 19 Türkinnen über ihre Lebensentwürfe, ihre berufliche Karriere, Familie und "unerfüllten Träume" interviewt, stellt die Rezensentin fest, dass "positive Entwicklungen" in ihrer Häufung sich leider etwas "fade" lesen, zumal schon die Aufzählung der Themen signalisiert, dass das Buch insgesamt etwas "vage" ist. Nur am Schluss wird es für die Rezensentin "dann doch sehr spannend", weil Sezgin das "Phänomen der türkischen Parallelgesellschaft" anspricht und die Auffassung ihrer Gesprächspartnerinnen wiedergibt, die sich der Integration verweigernden türkischen Migranten hielten an einem völlig "überlebten Türkisch-Sein" fest, das in der Türkei selbst fast gar nicht mehr existiert.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 16.03.2006
Mit ihren Gesprächen mit 19 türkischstämmigen Frauen im Alter von 25 bis 45 Jahren füllt Hilal Sezgin eine Lücke in der Literatur zum Thema Migration, lobt Daniel Bax, und zwar die Lücke zwischen "biografischer Bekenntnisliteratur" und sozialwissenschaftlichen Studien. Sezgin sei ihre Gespräche zwar wie eine Soziologin angegangen, erfülle aber "keinen Anspruch auf Repräsentativität", wie Bax mit einem Seitenhieb auf qualitative Soziologinnen wie Necla Kelek vermerkt. Dass sich die Autorin demzufolge "leichtfertigen Verallgemeinerungen" enthält, fällt dem Rezensenten angenehm auf, der es sich aber dann doch nicht nehmen lässt, einige Gemeinsamkeiten zu skizzieren, die ihm bei den Interviewten aufgefallen sind. Insgesamt falle auf, dass sich unter Deutschlands türkischen Migranten eine "heimliche Kulturrevolution" in Richtung westlicher Lebensweisen ereignet hat. Sezgin stelle die Migration zumindest für türkische Frauen als "Erfolgsgeschichte" dar, ein Aspekt, der laut Bax in der aktuellen Diskussion immer noch "viel zu kurz kommt".
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