Bücherschau der Woche
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Klappentext
Gianlorenzo Bernini ist heute vor allem als großer Architekt und Bildhauer des römischen Barock bekannt. Zu seinen architektonischen Hauptwerken gehören neben zahlreichen Palästen und Kirchen der Petersdom und der Petersplatz, für den er die Kolonnaden entwarf, die den Platz umschließen. Zu seinen berühmtesten Skulpturen zählen die Figurengruppe Apoll und Daphne, die Ekstase der Heiligen Theresa sowie der David. Darüber hinaus war Bernini ein sehr gefragter Porträtist, der von den berühmtesten seiner Zeitgenossen Marmorbüsten fertigte. Doch damit ist die Bandbreite der künstlerischen Tätigkeit dieses Universalgenies, das als Michelangelo seines Jahrhunderts bezeichnet wurde, keineswegs erschöpft: auch als Maler, Karikaturist und Dekorateur, als Autor und Theaterregisseur beeindruckte er die Zeitgenossen. Um die Produktivität Berninis, vor allem aber den gesellschaftlichen Erfolg dieses Hofkünstlers zu verstehen, leuchtet Arne Karsten dessen soziales und politisches Umfeld aus. Zeit seines Lebens verstand es Bernini virtuos, mit seinen nicht selten exzentrischen päpstlichen und adligen Auftraggebern umzugehen. Zugleich jedoch war der Künstler alles andere als ein farbloser Karrierist; auch von seinen Wutausbrüchen, Intrigen und Exzessen weiß der Autor anschaulich zu erzählen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.06.2006
Als "Virtuosen der Vielseitigkeit" würdigt Renate Wiggershaus den italienischen Baumeister, Bildhauer und Maler Gianlorenzo Bernini (1598 - 1680), der maßgeblich das barocke Rom gestaltete. Dabei dürfte Bernini nach Ansicht der Rezensentin den meisten lediglich als Architekt der Peterskirche bekannt sein. Erfreut zeigt sie sich daher über Arne Karstens Monografie, die Leben und Werk Berninis im historischen Kontext darstellt. Deutlich wird nach Wiggershaus insbesondere, dass sich Berninis eindrucksvolle Karriere während des Pontifikats von acht Päpsten nicht nur seiner Genialität, seiner Gewandtheit und seiner Durchsetzungsfähigkeit verdankte, sondern auch der dauernden Krisensituation, in dem sich der Kirchenstaat befand. Etwas störend empfindet Wiggershaus die gelegentlich "gestelzten Wendungen, Stil- und Weisheitsblüten", die dem Kunsthistoriker unterlaufen. Ansonsten aber ist sie sehr zufrieden von Karstens Buch, das in umfassender Weise das Werk, die Person und die geschichtliche Situation Berninis behandelt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2006
Eine Biografie, die keine ist, bemängelt Manfred Schwarz: Nicht Bernini selbst, sondern die römische Gesellschaft und den Hof des Papstes fokussiert dieses Buch. Das Milieu der Auftraggeber vermag Arne Karsten durchaus pointiert und kenntnisreich darzustellen, etwa wenn er den "vatikanischen Dschungel durchstreift, wo die Löwen brüllen und sich die Pfauen spreizen". Für ein Buch, das den Namen Bernini im Titel trägt, ist das dem Rezensenten allerdings zu wenig: Der "ausgewiesene Kenner" des pästlichen Hofes gehe kaum über den allbekannten Wissenstand hinaus, und erst recht nicht kann er sich zu einer "eigenen Sicht, einer intensiveren Durchdringung der künstlerischen Leistung" Berninis durchringen. Das sei bedauerlich, findet Schwarz, denn eigentlich steht eine Biografie, die die Rolle eines der großen Baukünstler und "uomo universale" des 17. Jahrhunderts neu bedenkt und bewertet noch aus.
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