Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Das Konzept der Sünde gilt in unserer heutigen Gesellschaft als überholt. Die sieben Ursünden Völlerei, Unkeuschheit, Habsucht, Trägheit, Zorn, Hoffart und Neid vertragen sich schlecht mit unserem Lebensstil, in dem raffiniertes Essen, ein ausgefülltes Sexualleben, Schnäppchen im Internet und Shopping als Garanten eines erfüllten Lebens gelten. Gerhard Schulze zeigt in diesem Buch, wie sich unsere Gesellschaft vom Konzept der Sünde distanziert hat.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.08.2006
Angetan berichtet Rezensent Oliver Pfohlmann von Gerhard Schulzes Reflexionen über eine angeschlagene Moderne. Den Ansichten des Soziologen über die Herausforderungen, die das Projekt der Moderne für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeuten, kann er nur zustimmen. Doch wie Schulze sieht auch Pfohlmann keine Alternative zur Moderne - schon gar nicht in der Wiedererstarkung der Vormoderne, die sich in Form eines religiösen Fundamentalismus nicht nur in der islamischen Welt, sondern auch im Westen bemerkbar macht. Was bleibt? Pfohlmann findet bei Schulze ein Plädoyer für eine "gereifte" Moderne. Dabei geht es um die Möglichkeiten einer sinnerfüllten Existenz, basierend auf dem Konzept antiker Selbstbegrenzung und weltlicher, nicht fanatischer Religiosität. Schulzes eigentliche Intention macht Pfohlmann in der Versöhnung mit der eigenen Kultur ausfindig - ihrer "anstrengenden Widersprüchlichkeit" und "auf Dauer gestellten Selbstkritik" zum Trotz.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2006
Nicht allein aus der Sünde, aus allen sieben Todsünden wolle Gerhard Schulze Funken schlagen für seine Moral der "Selbstentfaltung". Diese, referiert der Rezensent die reizvollen Aussichten, müsse sich erstens auf das individuelle und gewissermaßen private Selbstbewusstsein berufen und zweitens auf ein Bekenntnis zum "Diesseits". Warum braucht es diese Moral und ein solches Bekenntnis? Zur Abwehr vormoderner und freiheitsfeindlicher Anschauungen. Dabei predige Gerhard Schulze, beugt der Rezensent möglicher Kritik vor, keineswegs einem "kruden" Hedonismus, vielmehr sollen bei ihm gerade die altehrwürdigen Todsünden als Maßstab zum Maßhalten dienen. Wo die Knie nachgeben, so die Moral, sei der Genuss der Völlerei schließlich rasch zu Ende. Wenn dies auch plausibel erscheine, fragt sich der Rezensent doch, ob die Moderne als Zeit des Zweifels sich so einfach wieder auf doch so skepsisfreie Mittel wie Bekenntnis und Moral rückbinden lasse. Auch gebe der Autor keine Auskunft, wie solche Moral im Individuum ursächlich zu denken sei oder in welchem Verhältnis sie schließlich zu einer sozialen Moral stehe.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2006
Angenehm unterhalten hat sich Rezensent Ludger Lütkehaus bei der Lektüre dieses Buchs über das "schöne Leben und seine Feinde", das der Kultursoziologe Gerhard Schulze vorgelegt hat. Er attestiert dem Autor bei seinen kulturpsychologischen Ausführungen über die Sünde, ihre Geschichte sowie ihre Transformation und Auflösung in der Moderne ein großes Maß an Witz und Gelassenheit. Schulzes Befund, die Auflösung der zentralen moralischen Kategorie der Sünde sei konstitutiv für die Moderne, kann Lütkehaus ebenso nachvollziehen wie dessen Beobachtung des erneuten Vorwurfs der Sünde an die Moderne, den Fundamentalisten jeglicher Färbung erheben. Er unterstreicht, dass dabei neben dem islamischen Fundamentalismus auch das evangelikale Revival in den USA ihr Fett wegkriegt. Allerdings ist Lütkehaus nicht immer ganz klar, wohin das Buch eigentlich will, und bisweilen hat er den Eindruck, es mit einer "Wellness-Theorie der Moderne im kultursoziologischen und -philosophischen Gewand" zu tun zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2006
Gustav Seibt zeigt sich von Gerhard Schulzes Buch über die Sünde sehr angetan. Der Soziologe beschreibt im ersten Drittel die "westliche Gesellschaft", und zwar mit den "Kategorien" der sieben Todsünden "Völlerei, Unkeuschheit, Habsucht, Trägheit, Zorn, Hoffart und Neid", erklärt der Rezensent. Besonders interessant findet Seibt hier die "Umwertung" dieser mittelalterlichen Kategorien, die bis heute stattgefunden hat, und die beispielsweise in der Fettleibigkeit ein schwereres Vergehen sieht, als in einem Seitensprung. Derlei "schlaue" und "erheiternde Beobachtungen" finden sich viele, freut sich der Rezensent, der das Buch deshalb als "unterhaltsam" lobt. Doch eigentlich ist es dem Autor um etwas anderes zu tun, nämlich um die Kontrastierung "einstiger Sündenlehre" zu "heutiger Glückssuche", stellt Seibt klar. Und Schulze versuche außerdem, die "Frontverläufe im Kampf der Kulturen" genauer zu fassen, einen Kampf, den er nicht etwa zwischen dem Christentum und dem Islam verortet, sondern vielmehr zwischen der "Kultur der Moderne" und einer "magischen Religiosität", so der Rezensent weiter. Dieser Traktat verteidigt "warmherzig" und mitunter "wunderbar konkret" die "Suche nach dem Glück", so Seibt einverstanden, der dafür bereit ist, über "etliche Schwächen", beispielsweise über die "gewissenlos schludrige" Beschreibung der "historischen Sündentheologie" hinwegzusehen.
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Uangenehm plausibel
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