Herausgegeben von Boris Groys, Anne von der Heiden und Peter Weibel. Der Ort der kommunistischen Utopie war allein die Zukunft. Heute aber ist der Ort des Kommunismus die Vergangenheit, denn er ist ein reales Ereignis der Geschichte gewesen. Der Kommunismus ist dabei abgeschlossen in dem Sinn, daß er zur geschichtlichen Rezeption freigegeben ist. Das ermöglicht auch, die Spuren zu verfolgen, in denen er heute noch sichtbar ist, in denen er immer noch wirkt und auch den Westen, den damaligen Gegner, transformiert. Im vorliegenden Band untersuchen Wissenschaftler, u. a. Alain Badiou, Chantal Mouffe, Boris Buden und Mikhail Ryklin, Formen und Wirkungen des Postkommunismus in fünf Bereichen: in der Theorie der Linken, im neuen Paradigma des "Fun", in Berichten aus den nichtrussischen Teilen Osteuropas und in der Kunstszene Russlands. Der fünfte und letzte Bereich zeigt literarische Verarbeitungen des Themas in Erzählungen u. a. von Ingo Schulze, Pavel Pepperstein und Eduard Limonov.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2006
Dieser Band ist Teil eines dreiteiligen Projekts, mit dem der Philosoph und Medienwissenschaftler Boris Groys die "geistige Situation in Osteuropa und ihre kulturhistorischen Voraussetzungen" zu fassen versucht. Rezensent Ulrich M. Schmid ist höchst zufrieden mit dem gehaltvollen Ergebnis. "Zurück aus der Zukunft biete eine Bestandsaufnahme der postkommunistischen Kunst in Osteuropa, und Schmid erhebt keine Einwände gegen die These, dass "allen ästhetischen Richtungen" heute gemeinsam sei, dass das "Werk weitgehend überflüssig" ist, so sei "Kunst ist im postkommunistischen Kontext ein Gestus, eine Praxis". Auf Schmids Interesse sind auch Groys? Beobachtungen zum Fortleben der traditionellen Staatskunst in der Massenkultur gestoßen oder Reflexionen über die Politisierungen der Kunst.
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