Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Marko ist fünfzehn, und es sind die drei wesentlichen Dinge im Leben eines "fühlenden Mannes", die ihn davon abhalten, dem altersgemäßen Nihilismus zu verfallen: Mädchen, Bücher und Gott. Die Frage nach Gott drängt sich in einem katholischen Jungeninternat geradezu auf, von Mädchen in sandfarbenen Wollpullovern kann man zumindest träumen, und Bücher, ja Bücher sind es, die für Marko Zuflucht und Überlebensstrategie bedeuten. Auch wenn er dafür von seinen Leidensgenossen Motte, Tilo und Onni immer mal wieder gepiesackt wird. Aber Robinson Crusoe auf seiner Insel musste sich schließlich auch mit dem begnügen, was ihm vor den Speer lief. Ausgerechnet in dem Jahr, als auch sein kleiner Bruder Robert aufs Collegium kommt, und Markos Verdacht sich erhärtet, dass die Ehe seiner Eltern aus dem Ruder läuft, passieren weitere verstörende Dinge: das geheimnisvolle "Buch der Ordnungen" taucht auf, die nächtlichen Gespräche mit Bruder Gregor brechen jäh ab und Marko wird, sozusagen aus heiterem Himmel, zum Boten einer schrecklichen Wahrheit?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2006
Ein Kompliment will Hans Christian Kosler dem Schriftsteller und FAZ-Feuilletonkollegen Paul Ingendaay doch machen: "Am hohen sprachlichen Vermögen gibt es keinen Zweifel." An manch anderem für ihn offenbar schon. So ist sich Kosler grundsätzlich nicht sicher, ob dem Genre des Internatsromans hundert Jahre nach Musils "Zögling Törleß" überhaupt noch neue Seiten abzugewinnen sind. Ziemlich sicher ist er sich jedenfalls, dass genau das Ingendaays sehr autobiografischem Werk nicht gelingt. Allzu erwartbar seien die lüsternen Ordensbrüder, zu fixiert aufs Private scheint ihm der sich in die Erinnerungsmuster der "Generation Golf" fügende Erzähler beziehungsweise Autor. Immerhin mache der zweite Teil des Buches - "nach dem ersten Kuss" - mehr Spaß, ja zum Schluss komme sogar einige Spannung auf. Für eine wirkliche Leseempfehlung reicht das aber nicht.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006
Kühn sei es, als Literaturkritiker selbst einen Roman vorzulegen, aber noch verwegener findet es Andreas Isenschmidt, einen Internatsroman als Debütform zu wählen. Er ist gut, er ist glänzend, meint Isenschmidt, aber - das Glänzende verliert an Glanz durch Länge. Zum einen geht Isenschmid sichtlich der bewusst gewählte Jugendjargon a la Salinger auf die Nerven - das Buch ist immerhin 500 Seiten lang, stöhnt er; zum anderen missfällt ihm der krimihafte Dreh zum Ende hin und die vielen als Fingerübung verstandenen Episoden, die den ganzen Roman für sein Empfinden in die Länge ziehen. Ansonsten will Isenschmidt nichts auf den Roman kommen lassen: besonders gelungen findet er die Romanteile, die den "Übergang von der Kindheit zur unbehüteten Zeit des Erwachsenen" als auch die Freundschaft zu einem Lehrer beschreiben. Auch das Internatsleben werde trefflich geschildert, mit all seinen grausamen Seiten und heimlichen Lüsten. Isenschmid bescheinigt Ingendaay ein gutes Gespür für Binnendramaturgie der Episoden und Handlungsteile. Bezeichnend findet der Rezensent, dass in diesen gelungenen, dichten, ernsten Teilen das Jugendidiom fast verschwindet und einem distanzierteren Ton weicht, den sich Kollege Isenschmidt für die nächsten Bücher von Ingendaay wünscht.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2006
Einfach gut gemacht und spannend zu lesen sei Paul Ingendaays erster Roman, lobt Rezensent Ijoma Mangold. Wichtig für diesen überzeugenden Auftritt sei wohl die klare Genreeingrenzung als Internatsroman, die von vornherein kenntlich mache, was der Roman nicht sein will, beispielsweise ein "sprachschöpferisches Kunstwerk" für den Olymp der deutschen "Kunstreligion". Mit Religion und Tradition, so der Rezensent, habe der Roman dennoch zu tun, denn der Ich-Erzähler und Internatszögling Marko kommentiere die Heuchelei und Gewaltrituale seiner katholischen Erziehung gerne in einem "travestierten Predigerton". Überhaupt inszeniere Marko seine jugendlichen Leidenschaften und seine Rebellion in einer Art sprachlichem Theater, das aus Stilparodien seiner Lieblingslektüre bestehe, durchsetzt mit den "Sprechformeln" der Jugendsprache. Nichts wirke bei diesem "herrlichen Amalgam" aufgesetzt oder effekthascherisch, kommt der Rezensent allen Bedenkenträgern zuvor, und so trage Markos Sprache als die Sprache des Romans ganz wesentlich bei sowohl zu seiner Überzeugungskraft als auch zu seinem Unterhaltungswert. Und ganz nebenbei, bekennt sich der Rezensent zu seinem Lektüregenuss, verbreite Ingendaays erster Roman auf diesem Wege einfach "gute Laune".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2006
Als durchaus anregend hat Insa Wilke Paul Ingendaays ersten Roman empfunden. Besonders gefällt ihr an der Geschichte über die Internatszeit des 15-jährigen Marko, wie die Welt des Klosters mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit der 70er kontrastiert wird. Die zahlreichen literarischen Verweise findet die Rezensentin gelegentlich "überzogen", dann wieder "augenzwinkernd". Markos Bericht über die fünfjährige Internatszeit, die Prosa, Dialoge mit der direkten Ansprache des Lesers mischt, gefällt Wilke auch deshalb, weil hier diverse Gattungsformen vom Adoleszenzroman über den Krimi bis zum Schelmenroman aufeinander treffen. "Konsequent" halte Ingendaay die Perspektive seines Erzählers ein, was zeitweise "äußerst komisch" sei, wie Wilke bestätigt. Das nächste Mal wünscht sie sich von Ingendaay aber eine erzählerisch deutlich gestraffte Geschichte.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Homer: Die Odyssee
Die "Mutter aller Erzählungen" - in der Prosafassung von Christoph Martin, erzählt von Dieter ...
Heinrich Meier: Über das Glück des philosophischen Lebens
Die "Reveries" von Jean-Jacques Rousseau sind das schönste und das gewagteste Buch des Genfer Philosophen, ...
Archiv: Bücherschauen
Seefahrergeschichten
08.02.2012: Die SZ feiert Michael Ondaatjes Geschichte seiner Schiffspassage von Sri Lanka nach England "Katzentisch". Auch Petur Gunnarssons Kindheitserinnerungen "Punkt Punkt Kommas Strich" kann sie sehr empfehlen. Als großes Vermächtnis würdigt die NZZ die "Römische Sozialgeschichte" des ungarischen Althistorikers Geza Alföldy. Sehr beeindruckt ist sie auch von Norbert Hummelts neuem Gedichtband "Pans Stunde". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen
Hanna Krall: Rosa Straußenfedern
30.01.2012: Briefe, Fragmente, Zettel und Erzählungen erzählen vom Leben der polnischen Autorin Hanna Krall, ihrer Freunde und Zeitgenossen. Der Zweite Weltkrieg, die Volksrepublik Polen, Solidarnosc, vergegenwärtigen sich in ihrer Biografie. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Rosa Straußenfedern". Mehr lesen








