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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Hugo Ball
Hugo Ball: Sämtliche Werke und Briefe, Band 5
Die Folgen der Reformation. Zur Kritik der deutschen Intelligenz
Klappentext
Herausgegeben von Hans Dieter Zimmermann. Der Hugo Ball, der den "Dadaismus" in jenem kurzen halben Jahr 1916 im "Cabaret Voltaire" in Zürich erfand, ist weithin bekannt. Weniger bekannt ist Ball als Redakteur der wichtigsten Zeitung des deutschsprachigen Exils in der Schweiz während des Ersten Weltkrieges. Die "Freie Zeitung" in Bern, an der er von 1917 bis 1919 mitwirkte, wurde zum wichtigsten Sprachrohr deutscher Exilanten, in dem die Kriegspolitik Hindenburgs und Ludendorffs aufs Schärfste angegriffen wurde. Ball fasste 1919 seine Überlegungen in dem großen Essay "Zur Kritik der deutschen Intelligenz" zusammen, der im Verlag der "Freien Zeitung" erschien: eine Art Abrechnung mit der deutschen Ideologie von Luther bis Bismarck, von Hegel bis Marx. An die Stelle der offiziellen Heroen deutscher Geschichte setzt Ball als Alternative eine Ahnenreihe von großen Religiösen und Moralisten. Auch seine jahrelange Beschäftigung mit dem russischen Anarchisten Bakunin findet hier ihren Niederschlag.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2006
Als "verdienstvoll" würdigt Frank-Rutger Hausmann die Hugo-Ball-Gesamtausgabe, deren fünften Band "Die Folgen der Reformation" Hans Dieter Zimmermann herausgegeben hat. In dem erstmals 1921 erschienenen Essay des Dichters und Kulturkritikers sieht Hausmann einen polemischen Rundumschlag gegen den Protestantismus lutherischer Prägung, den deutschen Idealismus, die dialektische Geschichtsphilosophie, das assimilationswillige Judentum und die staatstragende Sozialdemokratie, die Ball für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verantwortlich mache. Auch wenn er Ball als "Schwarzweißmaler" charakterisiert und betont, man dürfe an seinem Essay nicht die Kriterien einer wissenschaftlichen Untersuchung anlegen und eine stringente Beweisführung erwarten, beeindruckt ihn die Hellsichtigkeit des Autors. Hausmann hebt hervor, dass vorliegender Band erstmals einen vollständigen Abdruck beider Textversionen des Essays bietet. Lobend äußert er sich zudem über die ausführliche Kommentierung des Bandes sowie das Nachwort von Hans Dieter Zimmermann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.03.2006
Der Begründer des Zürcher Dadaismus, warnt Rezensent David Marc Hoffmann, versteht keinen Spaß in seinen beiden polemischen Kampfschriften gegen die politische und intellektuelle Entwicklung in Deutschland. Gewissermaßen mit "heiligen Ernst" skizziere er in der 1919 erschienen "Kritik der deutschen Intelligenz" den unheilvollen Weg einer notorischen Anpassung der Intelligenz an Politik und Macht. Von Luther über Kant bis zu den deutschtümelnden Intellektuellen im Ersten Weltkrieg benenne Ball die aus seiner Sicht Schuldigen an der deutschen Malaise. Und der Rezensent bekennt, dass beispielsweise das "Gefasel angesehener Denker" über Goethe und Beethoven "in den Schützengräben", das Ball zitiert, einen auch heute noch "erschauern" ließen. Der erste Text "Die Folgen der Reformation" sei eine Umarbeitung und Kondensierung der "Kritik" mit dem Fokus auf die "eigentliche Erbsünde" der deutschen Intelligenz, auf die Reformation. So scharfsichtig Balls Kritik auch aus heutiger Sicht mitunter noch sei, meint der Rezensent, so "weltfremd" seien seine Vorschläge zur Überwindung. Nützlich und gelungen sei hier der "minuziöse" Kommentar des Herausgebers, der auf Irrtümer Balls Hinweise, seine Polemik historisch einordne, aber auch die aus seiner Sicht berechtigte Kritik an Luther oder Kant herausarbeite.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2006
Interessant, aber schwer einzuordnen seien Hugo Balls polemische Schriften von 1918 und 1924, meint Rezensent Jörg Später. Wenn Ball in "Zur Kritik der deutschen Intelligenz" seine antideutsche Polemik beispielsweise mit antisemitischen Argumenten füttere, sei dies - nun ja - "nonkonformistisch". Der Begründer der Dada-Bewegung in Zürich, so der Rezensent, sei ein "komischer Vogel" gewesen, der sich schließlich einem mystischen Katholizismus zugewandt habe. "Wenig überzeugend" ist aus Sicht des Rezensenten, wenn der Herausgeber Balls Feindbild einer deutsch-jüdischen Strebens nach Weltherrschaft bezüglich des Antisemitismus zu relativieren versuche. Das mache aber Balls "Antikriegsmanifest" keineswegs weniger interessant und nicht weniger "bedeutsam". Nicht für eine politische oder soziale Revolution mache sich Ball stark, wie die meisten seiner intellektuellen Zeitgenossen, sondern für eine moralische. In seinem Angriff auf die deutsche Mentalität, auf Protestantismus und Preußentum, polemisiere Ball gegen eine spezifisch deutsche Denktradition von Luther über Kant bis zu Nietzsche, die "die deutsche Untertanenmentalität und Unmenschlichkeit kultiviert" hätte. In Verbindung mit dem Essay "Die Folgen der Reformation" und zeitgenössischen Rezensionen sei, so der Rezensent, ein "überaus ansehnliches Buch" entstanden, das von Hugo Balls dadaistischer "Lust an Provokation und Polemik" lebe.
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