Mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. Maschinelle Bildproduktion, Bilderkennung und Bildverarbeitung führen zu einem neuen Verhältnis von Mensch und Kamera. Videoelektronische Kontrolle und videoelektronische Kriegsführung machen aus Subjekten Objekte digitaler Abbildungsverfahren. Ihre operativen Bilder verzeichnen nicht bloß Wirklichkeit, sondern wirken auf diese zurück. Eine derart technologisch funktionalisierte Bildproduktion überholt das traditionelle Bemühen von Fotografen um Authentizität. Die Folgen dieser Verkehrung von Mensch und Kamera, die Rückwirkung von Bildern auf die Wirklichkeit nennt Werckmeister den "Medusa-Effekt". Doch die Trennung von operativer und informativer Bildersphäre schafft eine neue Bildkultur intermedialer Reflexion, in der jede visuelle Erfahrung relativiert wird. Gleichzeitig verwandelt sich der Status der Akteure, beispielsweise werden aus Kriegsfotografen Fotokünstler oder aus Zeichnern von Comic-Serien Mitglieder der künstlerischen Kultur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2006
Durchaus instruktiv erscheint Rezensent Peter Geimer dieses Studie über "Politische Bildstrategien seit dem 11. September 2001" von Otto Karl Werckmeister, auch wenn ihn nicht alle Thesen des Kunsthistorikers überzeugen. Einiges für sich hat seines Erachtens der Grundgedanke des Buchs, wonach der gesellschaftliche Umgang heute in zwei Bereiche zerfällt, eine operative Sphäre, in der die Bilder der Macht zirkulierten, und eine öffentliche des bloßen Scheins, in die nur die schwachen Bilder gelangten. Die Stärken des Buches sieht Geimer dann auch in Werckmeisters Erörterung der heutigen Bedingungen der Kriegsberichterstattung und seinen Hinweis, dass die kriegsentscheidenden Bilddaten längst über Satelliten und Computerbildschirme laufen, weswegen sich die Fotografen vor Ort auf verlorenem Posten befinden. Allerdings geht ihm Werkmeister hier ein wenig zu weit. Für fraglich hält er, ob sich wirklich die gesamte Bildproduktion aus dem zweiten Irakkrieg als bloße Verblendung des Publikum beschreiben lässt. Auch dass Werckmeister Bilder von Trauernden oder Toten grundsätzlich nur als "stereotype Wiederholungen einer jahrhundertealten Ikonographie" betrachtet, erscheint Geimer der Sache unangemessen. Und schließlich hätte er sich vom Autor mehr über die konkrete Praxis der videoelektronischen Überwachung gewünscht.
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