"Ich schreibe eben 'Erinnerungen' [...]. Ich glaube, es wird ganz unterhaltend." Dass ein Mitglied der Familie Wagner seine Lebensgeschichte niederschreibt, ist nichts Außergewöhnliches, schon eher, dass der Unterhaltungswert ein Kriterium bei der Abfassung ist. In den 1923 erstmals publizierten "Erinnerungen" schildert Siegfried Wagner (1869-1930) die Italienreisen der Familie bis zum Tod Richard Wagners, entwirft Kurzportraits der die Bayreuther Festspiele prägenden Künstler und zeichnet den Verlauf der Festspiele bis ins Jahr 1914 nach. Einen eigenständigen Schwerpunkt bilden die Auszüge aus dem Tagebuch einer Ostasienreise von 1892. Ein ausführliches Nachwort ergänzt die Neuedition.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2006
Nachdem der 1923 erstmals erschienene Erinnerungsband von Siegfried Wagner, einem Sohn Richard Wagners, lange vergriffen war, freut sich Ulrich Teusch über seine Neuauflage. Die Intention des schmalen Bandes, nämlich eine "Wiederbelebung der Bayreuther Festspiele" erklärt auch dessen "selektiven und heterogenen Charakter", meint der Rezensent, der also warnt, dass es sich schon aufgrund des Umfangs keineswegs um eine wirkliche Autobiografie handelt. Er hebt den "lebensbejahenden" und "humorvollen" Ton in diesen Erinnerungen hervor und stellt fest, dass der Autor Problematisches und Unharmonisches gern heraushält. Als "Eigentümlichkeit" streicht Teusch die Einbeziehung von Teilen eines Reisetagebuchs von 1892 heraus, die die mehrere Monate dauernde Ostasienreise mit einem Freund festhält. Eine "verdienstvolle Neuauflage", die, weil ansonsten sämtliche autobiografischen Schriften der Wagner-Familie vorliegen, eine "Lücke" schließt, so der Rezensent zufrieden.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…