Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 19.57 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Henryk Sienkiewicz

Wirren

Roman

Cover: Wirren

Manesse Verlag, Zürich 2005
ISBN-10 3717520725
ISBN-13 9783717520726
Gebunden, 569 Seiten, 22,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Mit einem Nachwort von Olga Tokarczuk, aus dem Polnischen von Karin Wolff. Als der wenig beliebte, doch außerordentlich vermögende Adam Zarnowski im Jahre 1905 stirbt, reisen Verwandte und Bekannte zu seinem Gutshof, um das Erbe anzutreten: Sein attraktiver Neffe Wladyslaw Krzycki, die wohlhabende Jungwitwe Zosia Otocka, deren feenhafte Schwester Marynia und eine geheimnisvolle Freundin aus England sind nur einige der illustren Gäste, die sich in der polnischen Ortschaft Jastrzab einfinden. Noch während sich zwischen ihnen erste zarte Bande entspinnen, sorgt die Eröffnung des Testaments für eine Überraschung, bei manchem Bauern aus der Gegend auch für Enttäuschung. In die angespannte Stimmung mischen sich zunehmend gewaltsame Töne, als revolutionäre Unruhen von Russland auf Polen übergreifen. Eine Katastrophe bahnt sich an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2006

Den Rezensenten Thomas Medicus bringt Henryk Sienkiewicz' mit etwa hundertjähriger Verspätung auf Deutsch erschienener Roman zum Schwärmen. Diese Verzögerung ist seiner Meinung nach bedauerlich, aber nicht weiter verwunderlich, denn der Roman stieß seinerzeit auch in Polen auf wenig Begeisterung - zu "undramatisch" war den Lesern die Handlung. Dabei passiert in dem Buch, einem in der damaligen Gegenwart spielenden "höchst unterhaltsamen Gesellschaftsroman" nach Einschätzung des Rezensenten eine ganze Menge. Er vermutet, dass der Roman einfach den damaligen Zeitgeist nicht traf: "Vielleicht war diese von abgründigem Skeptizismus grundierte Ironie der Hauptgrund für die Ablehnung der Zeitgenossen." In dem Roman gibt es auch jenseits seiner politischen und philosophischen Qualitäten nach Medicus' Meinung einen Menge zu entdecken: "sprachliche Eleganz, überraschende Handlungsverläufe und gelungene dramaturgische Kunstkniffe" und zudem ein "eindrücklich plastisches Figurenpersonal." Bedauerlich findet der Rezensent nur, dass Olga Tokarczuk es in ihrem Nachwort versäumt hat, die politische Weitsicht des Autors zu thematisieren.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2006

Einen "Liebesroman mit politischen Exkursen" erblickt Rezensentin Marta Kijowska in diesem Spätwerk von Henryk Sienkiewicz. Sie berichtet, dass der Autor, der 1905 den Literaturnobelpreis erhielt, seine enorme Popularität in erster Linie seinen historischen Romanen verdankte, etwa "Quo Vadis" und vor allem seiner Trilogie über das 17. Jahrhundert. Sein nun auf deutsch vorliegender Roman "Wirren", 1910 als Reaktion auf die Revolution von 1905 geschrieben, wurde nach Auskunft Kijowskas dagegen kühl bis ablehnend aufgenommen. Man warf Sienkiewicz Realitätsblindheit vor und kritisierte die Ereignisarmut der Romanhandlung. Kijowska widerspricht dem nicht. Auch in ihren Augen fällt Sienkiewicz' Bild der Revolution weitgehend blass aus, was ihres Erachtens damit zu tun hat, dass er sich mit dem Thema Revolution vor allem in langen Diskursen auseinander setzt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2006

Der polnische Nobelpreisträger von 1905 habe bessere Bücher geschrieben, stellt Rezensent Adam Olschewski fest, beispielsweise drei "dickbändige" Romane zum 17. Jahrhundert. Für diese fernen Zeiten wäre der Autor nämlich nicht in Verlegenheit geraten, seine politisch reaktionäre Weltanschauung als Zeitanalyse zu camouflieren. Der Roman "Wirren" dagegen spiele um das Jahr 1905, als von Russland beunruhigende revolutionäre Nachrichten in das besetzte Polen drangen. Zunächst schildere der Autor mit "handwerklich" großer Könnerschaft das Leben um einen adligen Gutsbesitzer, in dem man gerne über den Staat, Beethoven und die unzufriedenen Bauern plaudere, aber auch über die Liebe, die in Form eines englischen Fräuleins auftauche. Solcherart Wirren begründen den Titel des Romans, bis sich die Handlung nach Warschau verlagere, wo "das Proletariat auf die Straße strömt". Als Vertreter dieser Klasse lasse Sienkiewicz, so der Rezensent, den "physiognomisch abstoßenden Hauslehrer Laskowicz" auftreten. Solcherart kurzen Prozess mit jeder differenzierten Charakterdarstellung mache der Autor allerdings bei den meisten seiner Figuren, bedauert der Rezensent. Im Polen von heute sei Sienkiewicz ein "schichtenübergreifend populärer Autor", nur sein Roman "Wirren" sei eigentümlich vergessen.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren