Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Mit einem Nachwort von Olga Tokarczuk, aus dem Polnischen von Karin Wolff. Als der wenig beliebte, doch außerordentlich vermögende Adam Zarnowski im Jahre 1905 stirbt, reisen Verwandte und Bekannte zu seinem Gutshof, um das Erbe anzutreten: Sein attraktiver Neffe Wladyslaw Krzycki, die wohlhabende Jungwitwe Zosia Otocka, deren feenhafte Schwester Marynia und eine geheimnisvolle Freundin aus England sind nur einige der illustren Gäste, die sich in der polnischen Ortschaft Jastrzab einfinden. Noch während sich zwischen ihnen erste zarte Bande entspinnen, sorgt die Eröffnung des Testaments für eine Überraschung, bei manchem Bauern aus der Gegend auch für Enttäuschung. In die angespannte Stimmung mischen sich zunehmend gewaltsame Töne, als revolutionäre Unruhen von Russland auf Polen übergreifen. Eine Katastrophe bahnt sich an.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2006
Den Rezensenten Thomas Medicus bringt Henryk Sienkiewicz' mit etwa hundertjähriger Verspätung auf Deutsch erschienener Roman zum Schwärmen. Diese Verzögerung ist seiner Meinung nach bedauerlich, aber nicht weiter verwunderlich, denn der Roman stieß seinerzeit auch in Polen auf wenig Begeisterung - zu "undramatisch" war den Lesern die Handlung. Dabei passiert in dem Buch, einem in der damaligen Gegenwart spielenden "höchst unterhaltsamen Gesellschaftsroman" nach Einschätzung des Rezensenten eine ganze Menge. Er vermutet, dass der Roman einfach den damaligen Zeitgeist nicht traf: "Vielleicht war diese von abgründigem Skeptizismus grundierte Ironie der Hauptgrund für die Ablehnung der Zeitgenossen." In dem Roman gibt es auch jenseits seiner politischen und philosophischen Qualitäten nach Medicus' Meinung einen Menge zu entdecken: "sprachliche Eleganz, überraschende Handlungsverläufe und gelungene dramaturgische Kunstkniffe" und zudem ein "eindrücklich plastisches Figurenpersonal." Bedauerlich findet der Rezensent nur, dass Olga Tokarczuk es in ihrem Nachwort versäumt hat, die politische Weitsicht des Autors zu thematisieren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2006
Einen "Liebesroman mit politischen Exkursen" erblickt Rezensentin Marta Kijowska in diesem Spätwerk von Henryk Sienkiewicz. Sie berichtet, dass der Autor, der 1905 den Literaturnobelpreis erhielt, seine enorme Popularität in erster Linie seinen historischen Romanen verdankte, etwa "Quo Vadis" und vor allem seiner Trilogie über das 17. Jahrhundert. Sein nun auf deutsch vorliegender Roman "Wirren", 1910 als Reaktion auf die Revolution von 1905 geschrieben, wurde nach Auskunft Kijowskas dagegen kühl bis ablehnend aufgenommen. Man warf Sienkiewicz Realitätsblindheit vor und kritisierte die Ereignisarmut der Romanhandlung. Kijowska widerspricht dem nicht. Auch in ihren Augen fällt Sienkiewicz' Bild der Revolution weitgehend blass aus, was ihres Erachtens damit zu tun hat, dass er sich mit dem Thema Revolution vor allem in langen Diskursen auseinander setzt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2006
Der polnische Nobelpreisträger von 1905 habe bessere Bücher geschrieben, stellt Rezensent Adam Olschewski fest, beispielsweise drei "dickbändige" Romane zum 17. Jahrhundert. Für diese fernen Zeiten wäre der Autor nämlich nicht in Verlegenheit geraten, seine politisch reaktionäre Weltanschauung als Zeitanalyse zu camouflieren. Der Roman "Wirren" dagegen spiele um das Jahr 1905, als von Russland beunruhigende revolutionäre Nachrichten in das besetzte Polen drangen. Zunächst schildere der Autor mit "handwerklich" großer Könnerschaft das Leben um einen adligen Gutsbesitzer, in dem man gerne über den Staat, Beethoven und die unzufriedenen Bauern plaudere, aber auch über die Liebe, die in Form eines englischen Fräuleins auftauche. Solcherart Wirren begründen den Titel des Romans, bis sich die Handlung nach Warschau verlagere, wo "das Proletariat auf die Straße strömt". Als Vertreter dieser Klasse lasse Sienkiewicz, so der Rezensent, den "physiognomisch abstoßenden Hauslehrer Laskowicz" auftreten. Solcherart kurzen Prozess mit jeder differenzierten Charakterdarstellung mache der Autor allerdings bei den meisten seiner Figuren, bedauert der Rezensent. Im Polen von heute sei Sienkiewicz ein "schichtenübergreifend populärer Autor", nur sein Roman "Wirren" sei eigentümlich vergessen.
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