Herausgegeben von Walter Lesch, Charles Martig und Joachim Valentin. Der Graben zwischen dem Kino als Unterhaltungsindustrie und einer engagierten Filmkunst verweist auf alte Gegensätze zwischen Ästhetik und Ethik, Kunst und Leben, Flucht vor der Wirklichkeit und kritischer Wahrnehmung des Alltags. Auch wenn im Film Wirklichkeit nicht einfach abgebildet, sondern in Szene gesetzt und interpretiert wird, bleibt die Frage nach dem Realismus filmischer Ästhetik auch jenseits bekannter Debatten über ideologisch gefärbte Spielarten des künstlerischen und politischen Selbstverständnisses hinaus aktuell.Das diesjährige Symposion der Internationalen Forschungsgruppe "Film und Theologie" greift die gesellschaftskritische Dimension von Filmen auf, die einen schonungslosen Blick auf gesellschaftliche Abgründe werfen. Sie vermitteln keine einfachen Botschaften, zwingen aber zur Auseinandersetzung mit den teilweise schockierenden Inhalten und unkonventionellen gestalterischen Mitteln.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2006
Andreas Maurer hält diesen schmalen Aufsatzband über Gesellschaftskritik im Film für "wertvoll". Denn er erinnere an die heutige wieder drängende Frage, inwieweit die Filmkunst etwas mit der Realität zu tun haben soll. Aufgefallen sind Maurer die Beiträge zum Gesellschaftskritischen in der Filmlandschaft Belgiens und Großbritanniens und das "Authentische" beim deutschen Regisseur Andreas Dresen und den Dogmatikern. Hier werde auch "endlich" deutlich, dass neben der Kunst wohl auch die Wahrhaftigkeit bei jedem woanders anfängt - und aufhört. Theoretischer Höhepunkt ist seinem Verständnis nach wohl die skizzenhafte Gegenüberstellung von Film und Theologie. Am "glücklichsten" und instruktivsten findet der Rezensent aber die Beiträge zum "Etikettenschwindler" Michael Moore und den Regisseurbrüdern Dardenne.
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