Von 1965 bis 1995 existierte im Ostberliner Stadtbezirk Pankow ein privat initiierter Zirkel, in dem sich junge Lyriker und literarisch Interessierte regelmäßig zum Gespräch trafen. Hier stellten Thomas Brasch, Bettina Wegner, Uwe Greßmann, Richard Pietraß, Uwe Kolbe und Hartmut König ihre Texte vor, hier lasen Günter Kunert und Stephan Hermlin. Eine Gruppe um Bettina Wegner protestierte gegen den Militäreinmarsch in die CSSR und verhandelte im Lyrikclub oppositionelle Gedichte. Verhaftungen und Gefängnisstrafen waren die Folge. Trotzdem gelang es dem langjährigen Leiter Hans Laessig, den Club zu erhalten. Über zwei Jahrzehnte tagte der Club in seiner Wohnung und wurde zu einer Art Durchlaufstation für junge, an Poesie, aber auch an Politik interessierte Leute. Der Nachlass des Clubs hat sich komplett erhalten und wurde ausgewertet. Es fanden zahlreiche Gespräche mit ehemaligen Teilnehmern statt. Außerdem enthält der Band eine Chronik sowie eine Bibliografie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2000
Eine aus historischer Zeugenschaft geschriebene Besprechung von Beatrix Langner, in der sie ihre eigenen Erinnerungen mit dem Material des Bandes mischt. Nicht ganz klar wird allerdings, ob dieser nur aus dem Nachlass des letzten Clubleiters Hans Laessig zusammengestellt ist, "mit Gesprächsprotokollen einiger Mitglieder ergänzt". Oder ob die Vorläufer und Nachfolger des literarischen Zirkels in Pankow hier mitbedacht sind. Jedenfalls schreibt Langner über die Anfänge, das bunte Völkchen und die verschiedenen Zusammenkünfte, bei denen Gisela Steineckert und Peter Hacks Mitte der sechziger Jahre federführend dabei waren, wie sich dann die Jüngeren, Bettina Wegner z.B. dazugesellten, Hermlin und Kirsch und Mickel eingeladen, wie sie bespitzelt und überwacht wurden, wie "FDJ-Singeclubs" ihnen die Attraktivität nehmen sollten, wie schließlich 1969 die ersten ins Gefängnis mussten (Greßmann und Will), andere auf Bewährung freikamen (u.a. Wegner und Brasch) und die Nachfolger am Prenzlauer Berg wenig mit den für sie Alten am Hut hatten. Das ist schön schaurig zu lesen und wer sich ein Stück eigene Biografie dieser Jahre noch einmal vor Augen führen will, weil auch für ihn oder sie "1968 ein besonderes Jahr war", tut wahrscheinlich gut daran, sich diesen Band einmal näher anzuschauen.
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