Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Wäre er nach Turin gereist, wenn er geahnt hätte, was ihn dort erwartet? Der Erzähler wird nach dem Selbstmord seines besten Freundes Rudolf herbestellt, um dessen Hinterlassenschaften zu sichten. Ein schwieriges Unterfangen, hat Rudolf doch im Laufe der Jahre nicht nur zahlreiche Haustiere auf seiner Dachterrasse versammelt, sondern als bekannter Schriftsteller und Universitätsprofessor zudem Berge von Schriftstücken gehortet - unter denen sich auch sein Opus magnum versteckt haben soll: ein Schlüsselroman zur bundesdeutschen Mentalität der letzten sechzig Jahre, an dem Rudolf "wie ein Berserker" gearbeitet haben will.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2006
Wesentlich besser als den Durchschnitt aktueller Neuerscheinungen findet Wolfgang Schneider diesen Roman, den der Hanser-Verleger Michael Krüger verfasst hat. Von einem großen Wurf will er allerdings nicht sprechen. Die anspielungsreiche Geschichte über einen biederen Geisteswissenschaftler, der den Nachlass eines berühmten Schriftstellers zu verwalten hat und nach und nach feststellt, dass dessen gesamte Existenz ein einziges Lügengebäude war, scheint ihm zwar durchaus unterhaltsam. Auch bescheinigt er dem Autor Ironie und zahlreiche gelungene Formulierungen. Doch viele der eingebauten Pointen über den Kulturbetrieb hält er für vorhersehbar. Außerdem kann sich Schneider nicht des Eindrucks erwehren, dass dem Roman einfach das Zentrum fehlt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.02.2006
Fasziniert ist Sibylle Cramer von Michael Krügers jüngstem Roman, in dem der Erzähler M. in Turin nach dem Selbstmord seines Freundes, eines berühmten Schriftstellers, dessen Nachlass regeln soll. Es entfaltet sich eine "Geschichte von Tod und Testamentsbetrug", in deren Verlauf die "Alarmkurve des zusehends doppelläufigen, rekonstruierenden und dekonstruierenden Textes" stetig steigt. Denn zunehmend passieren merkwürdige Dinge und M. macht "verdächtige" Äußerungen, bis schließlich herauskommt, dass der Schriftsteller wohl ein Betrüger war, ein "fideler Schürzenjäger", der seine Werke aus "Zitaten zusammengestohlen" hat, so die Rezensentin. Der Nachlassverwalter M. erweist sich schließlich als der eigentliche Autor dieses Romans, indem er auf die testamentarische Verfügung seines Freundes hin aus dem Inhalt von über 60 ominösen Kartons, die angeblich das "opus magnum" des Schriftstellers enthalten sollten, in Wahrheit aber nur ein Sammelsurium allerlei Zettel und Notate darstellen, den vorliegenden Roman verfasst. Ohne die "fein ausgezogene Motivkette", die auf die zerstörerischen "Vorgänge hinter den Erzählkulissen" hindeutet, würde sich dem Leser der geheime Machtkampf, in dem der stets im "Schatten" des Freundes stehende M. sich schließlich über den Schriftsteller erhebt und sich mit dem Schreiben des Romans schließlich dessen Vergangenheit bemächtigt, gar nicht erschließen, so die Rezensentin bewundernd. Sie lobt den Roman nachdrücklich als "klug, eilig wie doppeldeutig erzählt".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005
Weder der Erotik noch der Misanthropie sei Michael Krüger vollkommen verfallen, und folglich handle es sich auch um keine Altherrenprosa, wie Rezensent Georg Diez eventuelle Bedenken in dieser Hinsicht ausräumt. Vielmehr gelinge dem Autor mit seinem Roman aus dem gehobenen Akademikermilieu eine Gratwanderung zwischen beiden Polen. Der Erzähler kümmert sich in Turin "sehr elegant und altmodisch" um den Nachlass seines verstorbenen Freundes Rudolf, der als "Professor, Schriftsteller und Selbstmörder", auch aus Kennerschaft zum Hasser des deutschen Literaturbetriebs avancierte, was ihm stets eine Sonderrolle sicherte. Während es der Erzähler nicht soweit brachte und sich im Leben wie im Schreiben nur im Mittelfeld aufgehalten habe, steht er angesichts des Vermächtnisses des toten Freundes vor einem selbstzerstörerischen Abgrund. Leicht, angenehm bitter und in der Pointe "ironisch und böse" lese sich der Roman, empfiehlt der Rezensent, dessen Figuren im "Sumpf aus Text und Subtext" versänken.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Michael Krüger, selbst Verleger, kennt den Literaturbetrieb wie kein anderer und er wird viele solcher Thomas "Bernhardscher Geistesfürsten", wie er ihn auch in der "Turiner Komödie" beschreibt, persönlich kennengelernt haben, vermutet Christoph Bartmann. Tragikomische Gestalten, die mit ihren Ansprüchen, ihrer Weltverachtung, dieser Mischung aus geistiger Hochnäsigkeit und Liebes- und Kommunikationsunfähigkeit im Leben scheitern. Das sind Typen, die garantiert humorfrei sind, so Bartmann, der Krüger wiederum als die absoluten Antagonisten dazu preist. So feinsinnig, ironisch, leichtfüßig, ja fast im Plauderton nehme sich Krüger der Frage an, was einen Autor eigentlich dazu treibe, mit Prosaschreiben Geld und Ruhm verdienen zu wollen. Leicht zu erraten, dass der Großschriftsteller im Roman, dessen Namen wir in der Rezension nicht erfahren und der in Turin seine Dachterasse gefunden hatte, die ihn auch nicht über den ausbleibenden Ruhm hinwegtrösten konnte, so dass er sich das Leben nehmen musste, gar kein Romanmanuskript hinterlassen hat, für das er den Ich-Erzähler als Nachlassverwalter einbestellt hat. Alles "Fake", wie der ganze Literaturbetrieb überhaupt, meint Bartmann und verweist auf den Titel "Die Turiner Komödie". Wer will, könne im Roman viele wahre Details und reale Menschen aus dem Literaturbetrieb wiedererkennen, verrät der Rezensent, dem das offenbar Vergnügen bereitet hat.
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