Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Russischen von Andreas Tretner. "Für die einen sind Mythen traditionelle Geschichten, die uns natürliche und soziale Phänomene erklären, die anderen halten sie schlicht fur überholt und falsch. Mythen sind irreal, aber nicht falsch, sie versprechen keine Wahrheit, aber sie lügen auch nicht. Jorge Luis Borges zufolge kann man nichts völlig neu erfinden, alle Geschichten gehen auf vier Urstoffe zurück, die immer wieder variiert werden: die Belagerung einer Stadt, die Heimkehr, die ewige Suche und das Gottesopfer. So erscheint das Wesen des Mythos wie ein geheimes Regelwerk des Geistes, das wir immer wieder neu auslegen und das wir doch niemals ganz verstehen. Warum hat Minotaurus den Kopf eines Stiers? Ist Theseus im Labyrinth gefangen oder ist das Labyrinth in ihm? Oder beides? Viele glaubten schon, sie wären der Wahrheit auf der Spur, doch bislang ist niemand aus dem Labyrinth der Mythen zurückgekehrt. Gute Reise! Und nehmen Sie sich vor dem Minotaurus in Acht, falls Sie ihm begegnen. Man sagt, er sei gefährlich."
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2006
Viktor Pelewins "Der Schreckenshelm" ist Teil einer mehrbändigen Reihe, in der Schriftsteller von heute antike Mythen nach- und neuerzählen. Pelewin geht in seiner Neufassung des Minotauros-Mythos entschlossen reduktionistisch vor: Es interessiert ihn nichts als das Labyrinth mit seinem Gefangenen. Daraus spinnt er eine, so der Rezensent Jürgen Brocan begeistert, "höchst originelle" Science-Fiction-Story, in der sich die Protagonisten in ihnen unbekannten Räumen finden, ohne zu wissen, wie sie da hin gelangt sind. Ariadne und Co. kommunizieren in Chats und mit Hilfe der seltsamen "Schreckenshelm"-Maschinerie, bevor sie zu erkennen beginnen, dass sie nur Teil einer einzigen Persönlichkeit sind. Der Rezensent ist von dieser Science-Fiction-Wendung des antiken Mythos sichtlich angetan.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.02.2006
Hart ins Gericht geht Christof Keller mit Viktor Pelewin und seinem neuen Roman "Der Schreckenshelm". Zwar gesteht er zu dass Pelewin wirklich schreiben kann, und von Andreas Tretner kongenial übersetzt wurde. Aber wofür ist es gut? Handlung gibt es so gut wie nicht in diesem verwickelten Chatroom-Buch, nur immer neue Stränge, die sich verlieren und den Leser verwirren. Für manche mag das seinen Reiz haben, nicht für Keller, der Pelewins Grundhaltung vielmehr so beschreibt: "Anything goes as long as it pop up in my head". Dazu werden "Jahrtausende von Philosophie" und jede Menge Angelesenes "verwurstet", meist auf Kalauerniveau. Im Grunde sei das alles Pseudoliteratur, schimpft Keller und nennt Pelewin einen "Kaiser ohne Kleider": "Der nackte Pelewin ist nichts als ein Zyniker, der seine Leser verarscht."
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Der alte Mythos von Theseus und dem Minotaurus, den Viktor Pelewin eigentlich - im Rahmen eines umfassenden "Mythen"-Projekts, für das sich 30 internationale Verlage zusammengetan haben - den Auftrag zu erzählen hatte, so Rezensent Lothar Müller, erhalte bei dem russischen Schriftsteller eine ganz neue Dimension: er taucht ein in die virtuelle Sphäre. Das Nacherzählen des alten Stoffs sei Pelewins Sache nicht, verrät Müller, auch die genealogischen Zusammenhänge interessierten den Autor nicht besonders. Übrig blieben nur die Namen und ein anderes Phänomen, das Müller zu einem Element des Mythos erklärt: "die Unsicherheit der Beziehung von Raum und Zeit". Der Raum werde bei Pelewin zu einem "chatroom", kommuniziert werde per Computer, der wiederum von einem Zensor und Moderator kontrolliert werde. Pelewin dreht den Spieß einfach um, erklärt Müller: er erzählt nicht vom Labyrinth, sondern macht das Buch zum Labyrinth. Das wiederum geschehe mit viel Witz, nur ufere Pelewins "chat" gelegtenlich aus. Entschädigt sieht sich Müller dafür durch die schönen medialen Verschwörungstheorien, denen Pelewin mit Lust frönt: pure Gedankenlabyrinthe, meint Müller bewundernd, in denen man den "Ungeheuern der Manipulation" begegne.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







