Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 20.18 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Kirsten Fuchs

Die Titanic und Herr Berg

Roman

Cover: Die Titanic und Herr Berg

Rowohlt Verlag, Berlin 2005
ISBN-10 3871345318
ISBN-13 9783871345319
Gebunden, 286 Seiten, 18,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Eine junge Frau verliebt sich in einen nicht mehr jungen Mann - daraus folgt, heftige Funken sprühend, der Zusammenstoß zweier Welten und Wahrnehmungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie ist voller Phantasie, die das Leben verklärt, doch das ändert nichts an ihrer Einsamkeit. Und daran, dass sie Sozialhilfe empfängt. Er hat als Sachbearbeiter im Sozialamt eine Überdosis Wirklichkeit abbekommen. Privat läuft nichts mehr, zweimal getrennt, Tochter und Sohn sieht er sporadisch, nie wieder will er eine Beziehung eingehen. Als sie ihren Sachbearbeiter zum ersten Mal sieht, steht fest: er ist ihr Mann.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2006

Das hätte ganz groß werden können, meint Uwe Stolzmann. Schließlich verfüge Kirsten Fuchs über beachtlichen Sprachwitz, den der Rezensent bei ihren Lesungen schätzen gelernt hat. In dem Roman wird aus zwei sorgsam getrennten Perspektiven - von Tanja, einem Heimkind, das Zuflucht und Zuwendung im Sex sucht, und von Herrn Berg, einem Sozialamtssachbearbeiter -, eine Liebesgeschichte erzählt. Auf dem Amt lernen die beiden sich kennen, und sofort empfindet sie Mitleid mit seinem verkümmerten Sein. Ihre Annäherung schildere Fuchs "erotisch derb" und in ausgesucht-komischen Bildern und in einem "unverwechselbaren Stil". So weit so gut. Doch leider gleite der sprachliche Humor "regelmäßig" in den "Kalauer" ab, moniert Stolzmann, "irgendwann fehlen Kraft und Luft". Das Spiel mit den ins Ironische gewendeten Versatzstücken der Alltagssprache, das übermütige Jonglieren - das geht nicht immer gut, manchmal "entgleiten" Fuchs die "abgegriffenen Wendungen", die sie verwendet.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2005

Als eines der erstaunlichsten und gewagtesten Debüts dieses Herbstes feiert Rezensent Martin Halter diesen Roman. "Jeder Satz knallt und bumst und brennt," gibt er atemlos zu Protokoll. Zwar hat er auch einige "Kinderkrankheiten" zu bemängeln. Doch was dieses Debüt über eine "asymmetrische folie a deux" zwischen einer Sozialhilfeempfängerin und ihrem Sachbearbeiter im Sozialamt für ihn so aufregend macht, ist weniger der Plot als die Sprache: "ein extravagantes Gemisch aus unverblümter Drastik, trockenem Witz und rasender Zärtlichkeit." Kirsten Fuchs wisse, wie man des Leser packen müsse, schreibt Halter beeindruckt, nämlich "mit mädchenhaft verspieltem Griff unter die Gürtellinie". Manchmal gelängen ihr auch "wunderbare Passagen", in denen "Verständigungsprobleme zu lakonischen Bildern wunschlosen Unglücks gerinnen" würden.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005

Volker Breidecker ist erfreut. Eine Autorin, die über Sex schreiben kann! Von keiner Schreibhochschule "verdorben"! Kirsten Fuchs, informiert der Rezensent, ist gelernte Tischlerin und seit Jahren aktives Mitglied der Berliner Lesebühnen, wo sie, so vermutet Breidecker, ihren unnachahmlichen Sound entwickelt hat. Den auf 300 Seiten durchzuhalten, falle der Autorin in ihrem Debüt ab der Mitte merklich schwerer, gesteht Breidecker. Aber trotz alledem sei "Die Titanic und Herr Berg" ein wahres Paradestück, das aus wechselnden inneren Monologen, besteht, graphisch deutlich voneinander abgesetzt, die eine junge Frau namens Tanja und ein Herr Berg miteinander führen. Tanja hat beim Sozialamt Sex beantragt, Herr Berg ist ihr zuständiger Sachbearbeiter und natürlich landen beide miteinander im Bett. Was dort geschieht ist nicht das, was sich in ihren Köpfen abspielt, und so kommt es zu absurden "Kollisionen und Karambolagen zwischen der Titanic und ihrem Eisberg", fasst Breidecker zusammen. Der Roman sei auf schamlose und nette Weise obszön, ohne je pornografisch zu werden, jubelt er. Zum Obszönen gehöre nämlich im Gegensatz zum Pornografischen die Verbindung aus Drastik und Komik, versichert Breidecker. Und das beherrscht Kirsten Fuchs offensichtlich einwandfrei.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2005

Auch wenn sie die Idee hinter der Geschichte wenig überzeugend findet, fühlt sich die Rezensentin Kirsten Riesselmann von diesem Debütroman der taz-Kolumnistin und "Open Mike"-Gewinnerin 2003 Kirsten Fuchs gut unterhalten. Fuchs mache "aus den schalen Zutaten ganz lässig und herrlich sprachmanschettenlos eine interessante Angelegenheit". Die Autorin kann sie zwar nicht überzeugen, warum sich ihre inkompatiblen Protagonisten ausgerechnet in eine Affäre verheddern müssen. Interessant sind sie für den Leser nach Riesselmanns Meinung dennoch. Auch stilistisch gefällt ihr die Geschichte. Der nüchterne, gerade Satzbau kontrastiere mit einer "verspielt" bildhaften Sprache und schaffe so ein interessantes Spannungsfeld.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Meine Straße war die WeltJuan Jose Millas: Meine Straße war die Welt
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. In "Als die Welt Kind war" erzählt Juan Jose Millas von dem ...

Buch: Kleines morgendliches VerbrechenGeorgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen
Aus dem Bulgarischen von Valeria Jäger, Uwe Kolbe und Alexander Sitzmann. Dieser erste deutsche Auswahlband ...

Archiv: Bücherschauen

Dichtung und Tischtennis

18.03.2010: Als tieftraurig und hochkomisch zugleich preist die SZ Jan Faktors Roman mit dem Monster-Titel "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag". Die FR lobt den Roman ebenfalls, aber mit Vorbehalten gegen seine Lustigkeit. Hingerissen ist sie auch von Nicholson Bakers Lyriker-Roman "Der Anthologist". Die FAZ schwärmt von Hans-Ulrich Treichels Berliner Heimatlosigkeitsroman "Grunewaldsee". Für die heute erschienene Literaturbeilage der Zeit werden wir noch ein paar Tage brauchen.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren