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Andrzej Stasiuk
Unterwegs nach Babadag
Klappentext
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Babadag heißt einer der Orte, die Stasiuk zwischen Ostsee und Schwarzem Meer durchreist. Einer dieser "schwachen Orte", die verschwinden, sobald man sich abwendet. Die Panik, sie und ihre Bewohner könnten aufhören zu sein, wenn er sie nicht beschreibt, sie könnten mit ihm und seinem erlöschenden Blick untergehen, treibt ihn an. Aus dieser Angst ist Stasiuks neues Buch entstanden - sein wohl schönstes über eine Welt weit hinter Dukla.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2006
Kristina Maidt-Zinke steht ganz im Bann von Andrzej Stasiuks "Unterwegs nach Babadag", den Reiseskizzen aus einer untergehenden Welt des Ostens, in der die "Restbestände alteuropäischer Milieus" und die Hinterlassenschaften des real existierenden Kommunismus gleichermaßen versickern. Nüchtern und poetisch schildert der Chronist dieses Verfalls, wie in dem Leser gänzlich fremden Regionen - von ungarischen Dorfkneipen bis zu albanischen Provinzbahnhöfen - die Allgegenwart des Stillstands sich verbindet mit der "Erfahrung des Transitorischen, Flüchtigen". Stasiuk, ausgestattet mit einer "überwachen" Schärfe des Blicks, die Maidt-Zinke an die Kameraführung einiger Regisseure erinnert, verlässt sich dabei ganz auf seine große Kunst: das Beschreiben. Maidt-Zinke lobt, wie es dem Autor gelinge, dem Leser die Augen zu öffnen für das "fast schon Verlorene", ohne dabei dessen Aura zu beschädigen. Dass Stasiuk die Klarheit seines Blicks behält trotz enormer Alkoholaufnahme - oder dass er die Klarheit seines Blicks dem Alkohol sogar verdankt -, vermerkt Maidt-Zinke mit Staunen. Überhaupt beeindruckt es sie spürbar, wie hier einer, nach eigenem Bekunden angewidert von einer stets hohler werdenden Gegenwart, sich unter Einsatz seiner Person auf die Suche begibt nach dem verlorenen Ursprung unserer - seiner - Existenz. Das Einzige, was sie bei ihren Reisen mit Stasiuk vermisst hat, ist eine Karte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2005
Ina Hartwig preist diese vierzehn Reisebeschreibungen, die Andrzej Stasiuk von Reisen durch Rumänien, Moldawien, Ungarn oder der Slowakei geschrieben hat, schlichtweg als "großartig". Die Texte bewegen sich "zwischen Abgeklärtheit und Pathos" und ergeben "wunderbare, unerhörte, auch provozierende Tableaux", die gleichermaßen in die postkommunistische Gegenwart wie in die Vergangenheit zielen und dazwischen eine "denkbar raffinierte" Brücke schlagen, schwärmt die Rezensentin. Dabei findet sie den Vorwurf einer "Kritikerin", der polnische Autor huldige einem "ostalgischen Existenzialismus", bestenfalls halbrichtig, denn ihrer Ansicht nach trauere Stasiuk dem früheren Osten keineswegs nach. Der Text über Albanien ist für Hartwig ein "Extrempunkt" der Reisebeschreibungen, weil selbst der sonst so "männlich-selbstironisch-furchtlos" wirkende Autor hier "einen eisigen Hauch" spürt, wie die Rezensentin schreibt. Insgesamt aber bewundert die Rezensentin die "Kraft" des Autors, eine "eigene Mythologie" zu schaffen, so dass unter seiner Feder die von ihm bereisten Länder zu "Stasiuk-Land" werden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2005
Rezensent Andreas Breitenstein entwirft eine lange Liste von Attributen für Andrzej Stasiuk: "Tramper und Tagträumer, Ethnograph und Polyhistor, Pilger und Poet." Derart vielgestaltig erzähle Stasiuk in seinen Reiseskizzen durch das südliche Osteuropa zugleich von konkreten und imaginären Orten, die er das "Unbewusste Europa" nenne. Dabei halte ihn seine obsessive "Gier aufs Konkrete" davon ab, so der Rezensent, einer nostalgischen Ideologie oder Phantasie nachzuhängen. Der Müll an den albanischen Stränden erlaubte Stasiuk gleichwohl, von den "leergetrunkenen Wundern der Zivilisation" zu sprechen. Ein solches Nebeneinander von kühler Beschreibung und "mal wehmütiger, mal raunender" Stimme sind aus Sicht des Rezensenten das Besondere an Stasiuks Prosa. Und über den Wechsel von "Allmacht und Ohnmacht" gelänge es dem Autor zudem, das "Erzählen selbst" mitzuerzählen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2005
Eine "wahrhaft ungewöhnliche Bildungsreise" sieht Rezensentin Judith Leister in dieser Sammlung von vierzehn Reiseskizzen des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuks. Das Buch, das den Leser vom Heimatort des Autors in den polnischen Beskiden in die Slowakei, nach Ungarn, Slowenien, Rumänien, die Ukraine und Moldawien führt, versteht Leister als Huldigung eines Kulturraums, des alten Mittel- und Osteuropas, der im Versinken begriffen ist. Wie in seinem Roman "Die Welt hinter Dukla" widme Stasiuk seine Aufmerksamkeit auch hier dem Peripheren und Vergessenem. Ausgangspunkt seiner Erzählungen bilden die Natur, die in "poetischen Bildern" beschworen werde, und die Geschichte der jeweiligen Regionen. So werde erstarrte Geschichte in kleinen Episoden lebendig, um wieder in der "ewigen Gegenwart" der Landschaft zu versinken. Auch Themen wie Korruption und Schwarzmarkt, Armut, Improvisationstalent und die verbreitete Sehnsucht nach dem Sozialismus werden behandelt. "Dank seiner ungeheuer lebendigen Sprache schafft er ein Werk", resümiert die Rezensentin, "das poetische, essayistische und reportagehafte Elemente mühelos integriert und eine Momentaufnahme von Mitteleuropa liefert, die literarisch Bestand haben wird."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2005
Andrzej Stasiuks Reisereportagen von den östlichen Randgebieten Europas bringen den Rezensenten Christoph Schröder ins Schwärmen: "Das ist Europa. Das kommt auf uns zu." Für Schröder war es auf jeden Fall ein Genuss, diese "Prosa von seltener Klarheit, Härte und Schönheit" zu lesen. Gleichzeitig wirken Stasiuks Berichte auf den Rezensenten bewusstseinserweiternd - nicht zuletzt, weil sie sich so "gesättigt von (...) sinnlichen Erfahrungen" zeigt. Zwar entdeckt er in der Reiseprosa durchaus ein paar "antizivilisatorische" Reflexe, aber der "süßlichen Geruch des Kitschs", den man bei diesen Reisen in eine Welt, die vermeintlich vergangen ist, befürchten könnte, ist zu Schröders Befriedigung nicht zu vernehmen.
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