Lloyd DeMause

Das emotionale Leben der Nationen

Cover: Das emotionale Leben der Nationen
Drava Verlag, Klagenfurt 2005
ISBN 9783854354543
Kartoniert, 383 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Vier Jahrzehnte lang hat Lloyd deMause daran gearbeitet, jene Kräfte zu ergründen, die Gesellschaften in zyklische Stimmungsschwankungen versetzen. Ziel ist eine Entschlüsselung des "geheimen Drehbuchs", dem weltpolitische Ereignisse zu folgen scheinen. Mit "The Emotional Life of Nations" (2002), das nun in deutscher Übersetzung erscheint, hat der amerikanische Psychohistoriker eine Summa seiner Forschungsarbeit vorgelegt, die durch eine psychoanalytische Deutung von Geschichte und Politik Neuland beschreitet. Gruppenfantasien, kollektive Depressionen oder Massenpsychosen deutet er als Ausdruck individuell erfahrener Traumata, Ängste, Frustrationen und Sehnsüchte, die von (und manchmal auch an) politischen Leitfiguren stellvertretend ausagiert werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2005

Man muss wohl von Ambivalenz sprechen angesichts der Besprechung, die Tilmann Moser dem neuen Buch von Lloyd deMause widmet. Mit allen psychoanalytischen Wassern gewaschen sei dieser deMause, meint Moser; er kenne sich aus von der Kleinkindpsychologie bis zur Traumforschung. Allerdings ist des Amerikaners Abneigung gegen die Blindheit der anderen Humanwissenschaften so groß - immerhin hätten diese den "Keller" nie beachtet, das Unbewusste nicht nur der Individuen, sondern auch der Völker -, dass man kaum umhin könne, angesichts seiner Haltung von Arroganz zu sprechen. Moser fühlte sich erschlagen von der Abscheulichkeit des historischen Beweismaterials, mit dem deMause seine These zu belegen versucht, dass Kriege in erster Linie das Produkt seien von "infantizidem" Verhalten, also von brutaler Rücksichtslosigkeit gegenüber den Kindern, von gründlich misslungener Erziehung. Kinder, mit Gewalt nicht nur infiltriert, sondern geradezu gefüttert - was soll aus denen werden, wenn nicht eine Nation, die nach Kriegen schreit? DeMause sieht in kriegerischen Auseinandersetzungen vor allem Versuche, eine Vergiftung zu beseitigen. Von der makabren Wucht dieser Ideen zeigt sich Moser fasziniert; doch wendet er zaghaft ein, ob denn nicht manchmal auch machtpolitisches Streben nach "Land, Kolonien, Sklaven, Öl und anderen Bodenschätzen" der Kriegsgrund sei? Ganz banal?

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