Bücherschau der Woche
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Koreanische Erzählungen
Klappentext
Herausgegeben von Sylvia Bräsel und Lie Kwang-Sook. Die Themen sind uns dabei durchaus vertraut: Es geht um die Suche nach der eigenen Identität, um Alltag und Geschichte, Erinnern, Erfinden und Verdrängen, um die alltägliche Entfremdung in einer anonymisierten Umwelt, um Liebes(ver)lust und Kommunikationslosigkeit. Aber es werden auch traditionelle Motive der koreanischen Literatur aufgenommen (Naturmotivik). Verwiesen sei auch auf die oft in der koreanischen Literatur anzutreffenden Mutter- und Großmutter-Figuren, in denen sich Zerbrechlichkeit mit Stärke und Zuversicht vereinen. Dieser Überblick über die moderne südkoreanische Literatur bezeugt nicht zuletzt auch, wie sehr sich Ost und West stets künstlerisch beeinflusst haben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2005
Erfreut zeigt sich Steffen Gnam über diese von Sylvia Bräsel und Lie Kwang-Sook herausgegebene Anthologie mit acht koreanischen Erzählungen. Er sieht den Band als eine "literarische Zeitreise" angelegt, die Koreas gesellschaftliche Umbrüche der Nachkriegszeit zwischen Konfuzianismus und Kapitalismus, Agrarstaat und Industrienation, Militärdiktatur und Demokratie skizziere. Wie er berichtet, beleuchten die Erzählungen Entfremdungsphänomene in den Satellitenstädten ebenso wie die Wirkmächtigkeit der Tradition. Thematisiert werden die Schattenseiten und das Sozialgefälle der Industrialisierung der siebziger Jahre, aber auch die Brüchigkeit und Verlogenheit bourgeoiser Biografien, wie etwa in Kim Younghas Erzählung "Klingende Weinachtsgrüße", die Gnam ein "bitterböses Kammerspiel" nennt. "Psychogramme der Mittelschicht" prägen seines Erachtens auch die moderne koreanische Frauenliteratur. In diesem Zusammenhang hebt er vor allem Han Kangs "Die Früchte meiner Frau" hervor, eine an Kafka erinnernde Geschichte von der Wandlung einer Ehefrau in eine Pflanze.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2005
Ijoma Mangold hat zwei Bände mit Erzählungen aus Korea gelesen und stellt fest, dass man sich bei aller Fremdheit gegenüber der koreanischen Kultur "schnell und mit Gewinn" in diese Literatur "hineinliest". Der vorliegende Band "vermittelt ein interessantes Bild des Landes und der Literatur", lobt der Rezensent anerkennend, doch findet er, dass die Erzählungen in ihrer Qualität "erheblich schwanken". Als Beispiel zieht er zum einen den Text von Han Kang heran, der von einer Frau erzählt, die sich in ihrem Leiden am "naturfernen Großstadtleben" buchstäblich in eine Pflanze verwandelt. Diese "depressive Geschichte" hat der Rezensent wegen ihres allzu aufdringlichen "allegorischen Charakters" am unteren Ende der Güteskala angesiedelt. Der Autor Kim Young-ha dagegen hat mit "Klingende Weihnachten", worin eine Frau ihre drei Liebhaber geistig überflügelt und deshalb einem Mord zum Opfer fällt, einen "brillanten" Prosatext vorgelegt, preist Mangold. Hier handele es sich um eine Erzählung von großer psychologischer "Raffinesse", schwärmt der Rezensent, der bedauert, dass nicht mehr von diesem "genialen" Autor im Band enthalten ist.
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