Detlef Opitz setzt Johann Georg Tinius ein literarisches Denkmal. Als der Pfarrer Johann Georg Tinius im Jahre 1813 im sächsischen Poserna verhaftet wird, hat er einen lokalen Ruf als eigenbrötlerischer Kauz und manischer Büchersammler. Um seine zwischen 40.000 und 60.000 Bände umfassende Bibliothek zu finanzieren, heiratete er zweimal und betrieb europaweiten Handel mit Doubletten und seltenen Werken. Als Tinius nach einem zehnjährigen Indizienprozess rechtskräftig verurteilt wird, ist er international berühmt: Denn der auch als Gelehrter von Rang anerkannte Sammler soll zwei brutale Morde begangen haben, um seine Büchersucht zu stillen. Unglaublichste Gerüchte ranken sich um ihn und seine Sammel- und Lesewut. Und auch noch im Gefängnis schreibt Tinius - ohne Zugang zu irgendwelchen Büchern - mehrere eigene Werke und versucht vergeblich, seine Unschuld zu beweisen,
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Opitz ist 1956 geboren, ein wesentlich Jüngerer hätte so ein Buch nicht schreiben können. So viele Tonlagen, so unverbrauchte Wörter, so viel nutzloses Wissen zum Beispiel über Palindrome und Übersetzungssoftware, das es ermöglicht, den roten Faden immer wieder loszulassen und im rechten Moment wieder zum Leuchten zu bringen: Dafür muss man einiges weggelebt und durchgelesen haben... Lesen Sie mehr von Michael Schweizer in 'Mord und Ratschlag'
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Hellauf begeistert zeigt sich die Rezensentin Dorothea Dieckmann über Detlef Opitz' zweiten Roman. Zwar besitzt Opitz ein Zeitmaß, das man schon "historisch" nennen müsse (er habe gut ein Jahrzehnt an jedem Roman geschrieben), dem Leser kommt dies jedoch uneingeschränkt zugute, wie die Rezensentin versichert. Bei seiner Recherche für einen kurzen (!) Beitrag zu Karl Lagerfelds Fotoband über das Goethehaus sei Opitz auf einen gewissen Tinius gestoßen, einen leidenschaftlich Bücher sammelnden Pfarrer, der um seine Sammelleidenschaft zu befriedigen auch vor Mord nicht zurückschreckte, und dafür zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde. "Pfaffe, Killer, Bibliomane!" - Opitz habe in Tinius eine Art Seelenverwandten entdeckt und die Rekonstruktion besagter Lebens- und Tatumstände unternommen. Ganz besonderen Genuss hat der Rezensentin Opitz' "grenzenlose Sprachlust" bereitet, die beschwingt alle Register "von frei historisierender zu deftig-heutiger Umgangssprache" zieht und den Bericht über den der Literatur verfallenen Mörder zu einem "originären Sprachkunstwerk"macht.
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