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Wolfgang Pehnt
Deutsche Architektur seit 1900
Klappentext
850 Abbildungen. Baugeschichte in Deutschland ist ein widerspruchsvolles Thema, wie die deutsche Geschichte überhaupt. Das Land hat Pioniere der Architekturmoderne, etwa Walter Gropius, Ludwig Mies von der Rohe und Erich Mendelsohn, hervorgebracht, aber sie auch ins Exil getrieben. Dekaden waren vom Streit zwischen denen geprägt, die das Neue anstrebten, und denen, die das Alte bewahren wollten und Zweifel an den Glücksversprechen der neuen Zeit hatten. Die Architektur hat die Nähe zur Macht gesucht, des Kapitals wie der Dikatur. Doch sie hat auch der Demokratie ihre Häuser gebaut: der Weimarer Republik, der Bundesrepublik. Von diesem widersprüchlichen Gang der Dinge erzählt das Buch. Zugleich erleichtern umfassendes Literaturverzeichnis, Zeittabelle und biografischer Anhang die weitere Beschäftigung mit dem Thema.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2006
Dieses Opus magnum des Architekturhistorikers Wolfgang Pehnt ist für den Rezensenten eine wahre Delikatesse und völlig zurecht für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch nominiert worden. Hundert Jahre Architektur in Deutschland darzustellen ist ein großes Wagnis, meint Kaltenbrunner, und Pehnt hat sich dieser Herausforderung mit "Umsicht, Souveränität und Kritik" gestellt. Über sechshundert Seiten schaffe er es, den Leser in den Bann zu ziehen, ob es nun um die halb-moderne Nach-Gründerzeit geht, die sich von den Bauten des Prunkbürgertums abgrenzen wollte, um die zivilisationskritischen Bauten von Bruno Taut, Martin Wagner oder Ernst May in der Zwischenkriegszeit oder um die neue Nüchternheit nach 1945. Gut gefallen dem Rezensenten auch Pehnts Ausführungen zu den provisorischen Bonner Bundesbauten, die in ihrer Mischung aus "praktischem Müssen und politischem Nicht-Dürfen" viel "banales Mittelmaß" enthielten, aber manchmal auch "Offenheit und schöne Askese". Positiv vermerkt Kaltenbrunner auch, dass die Baugeschichte der DDR nicht zu kurz kommt und dass für Pehnt dass derzeitige Problem nicht die Stararchitekten und nicht die Gebrauchsbauten sind, sondern die "Grauzonen der Gedankenlosigkeit, die blindwütige Geschäftemacherei".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.01.2006
Schon im Ansatz falsch sei das Vorhaben des Autors Wolfgang Pehnt, die Geschichte der deutschen Architektur seit 1900 als Erzählung beschreiben zu wollen, urteilt Rezensent Winfried Nerdinger. Zwar zeuge der "ambitiöse" Band, der auch "streckenweise durchaus lesenswert" sei, vom Fleiß des Verfassers, der alle vermeintlich wichtigen Bauwerke und Daten erfasst habe, von der Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie 1901 bis zum Umbau des Berliner Olympiastadions. Allerdings bleibe die wissenschaftliche Fundierung des Unternehmens auf der Strecke, da der Autor seine Maßstäbe und Kriterien nicht nur nicht offenlegt, sondern zudem einseitig zwischen "modernen" und "konservativen" Baustilen verharrt und sich so zum "auktorialen Erzähler nach Gutdünken" befördert. Ein unverzeihliches Manko, moniert der Rezensent, der in den einzelnen geschichtlichen Phasen den "materiellen wie geistigen Kontext" vermisst und die "additive Etikettierung" einzelner Bauwerke bemängelt. Damit habe der Autor sein selbst gestecktes Ziel verfehlt, eine "exemplarische und begründbare" Baugeschichte vorzulegen, konstatiert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2005
Begeistert, fast mehr als das, zeigt sich der Rezensent Dieter Bartetzko von diesem Buch, das er als "altmodisch" im besten Sinne bezeichnet. Gründlich ist es, kenntnisreich, nie mit Urteilen zu schnell bei der Hand, ein "Opus magnum", das für die Geschichte des Bauens in Deutschland im 20. Jahrhundert geradezu ein Grimmsches Wörterbuch ist. Es sind nicht so sehr spektakuläre Thesen, die dieses Buch auszeichnen, so Bartetzko, es ist die "Gründlichkeit", aber auch die Evidenz, mit der Wolfgang Pehnt bisher als eher unverbunden betrachtete Phänomene in Zusammenhang bringt - etwa den "Zyklopenstil" des Spätwilhelminismus mit dem des "Brutalismus" der späten sechziger Jahre. Klug findet Bartetzko die Kommentare zum nationalsozialistischen Bauen wie zu Bauhaus und Expressionismus, einleuchtend die Kritik an einer pervertierten Moderne. Bleibt das bündige Resümee: "So subtil und umfassend wurde seit Jahren nicht mehr über das Bauen der Moderne in Deutschland geschrieben."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2005
Schwer beeindruckt zeigt sich Rezensent Gert Kähler von dieser umfassenden Geschichte der deutschen Architektur seit 1900, die Wolfgang Pehnt, Professor für Architekturgeschichte in Bochum, vorgelegt hat: 600 Seiten lang, ein Jahrhundert mit rund 400 Architektennamen umfassend, deren Bauten mit eintausend Abbildungen illustrierend. Kähler lobt den Autor, der umfassendes Wissen, das Verstehen des Gewussten sowie die Fähigkeit vereinige, das Verstandene dann präzise zu beschreiben. Pehnts Ansatz, politische Zäsuren als Gliederung für Architekturepochen zu nehmen, hält er für "konsequent und richtig". Am Beispiel des Abschnitts über das dritte Reich demonstriert er, welche Spannweite der Autor anschlägt - vom Städtebau über die verschiedenen instrumentalisierten Stile bis hin zu den Bunkerbauten des Westwalls, den Konzentrationslagern, der Bombardierung der Städte und den Behelfsbauten für Ausgebombte. Souverän beherrsche Pehnt die Kunst, alle diese verschiedenen Aspekte zu einem Ganzen zu bringen, insbesondere bei seiner Parallelführung von Bundesrepublik und DDR. Kähler hebt hervor, dass der Autor die Architektur aus der Distanz des Historikers beurteilt, was ihn bis in die Architektur der Gegenwart hinein unbestechlich mache. Allerdings hätte sich Kähler manchmal von Pehnt gewünscht, er hätte mehr gezeigt, von welchen Bauten oder Architekten er sich begeistern lasse, und warum.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Nicht enden wollendes Lob vom Rezensenten Jürgen Tietz regnet es auf Wolfgang Pehnts umfassende Geschichte der deutschen Architektur im 20. Jahrhundert. Diese sei "brillant geschrieben", zeichne sich durch ihr durchgehend "pointiertes Urteil" und durch ihre "sympathische Souveränität" aus, die dem Leser die Welt der Architektur als eigenständiges Universum entfalten. Dabei veranschauliche Pehnt, dass die Architektur im Deutschland des 20. Jahrhunderts das "kulturelle Leitmedium" darstellte, das in seiner engen Bindung mit der Politik und trotz der Beständigkeit seiner Materialien ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderung war - vom Bauhaus bis zum wiedervereinigten und bauenden Berlin. Auch stellt das Buch die Frage nach der Zukunft und fordert, die "Grauzonen der Gedankenlosigkeit" im zeitgenössischen gedankenlosen Bauen zu verklienern. Dieses "Mammutwerk", so das durch und durch begeisterte Fazit des Rezensenten, "schärft den Blick auf die gebaute Umwelt" und wird mit Sicherheit - auch aufgrund seines umfangreichen und informativen Register-Anhangs - zum "unverzichtbaren Standardwerk" werden.
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