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Azar Nafisi
Lolita lesen in Teheran
Klappentext
Aus dem Englischen von Maja Ueberle-Pfaff. Als die iranische Literaturprofessorin Azar Nafisi den Schleier nicht länger tragen will, wird sie von der Universität Teheran verwiesen - und erfüllt sich einen Traum. Zwei Jahre lang kommen sie und sieben ihrer besten Studentinnen jeden Donnerstag morgen heimlich zusammen, um verbotene Klassiker der westlichen Literatur zu lesen. Aus den verstohlen in ihr Haus huschenden schwarz verschleierten Schatten werden junge Frauen in Jeans und bunten Kleidern. Sie öffnen sich in der Diskussion über die literarischen Werke und beginnen die eigene Realität, der gegenüber sie sich lange sprachlos und ohnmächtig fühlten, zu hinterfragen und zu verändern.
Rezension Perlentaucher
Im Zentrum des Buches steht "der Prozess der Islamischen Republik Iran gegen den großen Gatsby". Es ist eine Veranstaltung im Seminar der Autorin. Ein Student hatte der Dozentin erklärt, "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald sei ein unsittliches, Ehebruch und Geldgier propagierendes Buch, das verboten gehöre. Azar Nafisi schlug ihm daraufhin ein Seminar in der Form einer Gerichtsverhandlung vor, bei der der Angeklagte nicht der Autor, sondern das Buch selbst sein sollte. Die zwanzig Seiten, auf denen dieser Prozess dargestellt wird, gehören zum Klügsten, was in den letzten Jahren über die gesellschaftliche Rolle der Literatur geschrieben wurde. Selten ist das grundsätzliche Missverständnis, das darin liegt, Literatur als eine Art Gebrauchsanweisung fürs Leben zu lesen, klarer verstanden und kritisiert worden...
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2005
Azar Nafisi ist die Tochter des ehemaligen Bürgermeisters von Teheran. 17 Jahre lang lebte sie in den Vereinigten Staaten, bevor sie 1979 in den Iran zurückkehrte. Brillant findet Angela Schader den Stil, mit dem die Autorin, die im Iran als Dozentin arbeitete, in "Lolita lesen in Teheran" Vladimir Nabokov und F. Scott Fitzgerald, Jane Austen und Henry James ins Spiel bringt, um ein Plädoyer für die Freiheit zu halten, wie sie sich in der Welt der Fiktion manifestiert. Diesen Ansatz findet Schader zwar prinzipiell sehr begrüßenswert; aber es bleibt doch "ein leiser Missklang", wie sie findet. Denn die Übermacht der Realität über die Sphäre des schönen Scheins erweist sich spätestens dann mit unmissverständlicher Deutlichkeit, wenn einige von Nafisis Studenten vor den Repressionen des Mullahregimes ins Ausland fliehen. Da nützt dann alle heimliche Lektüre von verbotenen literarischen Werken nicht viel.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.09.2005
"Es fällt nicht leicht, an einem Buch etwas auszusetzen, dessen Autorin moralisch so sehr im Recht ist", schreibt Parucista Bahar und lobt denn auch erst mal: Nafisi demonstriere eindringlich und anschaulich, wie die Mullahs - gierig, feige und mit falscher Zunge - und aus einem Kulturland eine Einöde gemacht haben und dabei sogar - und anders, als gemeinhin angenommen wird - die Religion verwässert, nämlich zum Machtinstrument gemacht haben. Das Buch war in den USA ein Bestseller, und es ist, unterstreicht Bahar, auf jeden Fall gut, dass viele Menschen etwas lesen, das ihr Bild des Iran differenziert. Was ihr dagegen überhaupt nicht gefallen hat: Nafisis menschelnde Art, dem alltäglichen Schrecken die kleinen Freuden des Lebens entgegen zu stellen - das ist, schreibt sie, die "persische Tragödie wie in Watte, in einen Bausch von Belanglosigkeiten gepackt". Und wenn die Autorin dann auch noch die westliche Konsumwelt als positive Utopie und angeblichen Garanten von Individualität anpreist, geht die Rezensentin auf die Barrikaden - gute Absicht hin oder her
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.09.2005
Renee Zucker ist beeindruckt von diesem Buch, in dem die iranische Professorin Azar Nafisi beschreibt, wie sie in den Neunziger Jahren mit ihren Studentinnen in einem geheimen Lesezirkel verbotene westliche Literatur las. Warum sie in diesem Buch vor allem ihre Erfahrungen mit der Lektüre von Lolita als Beispiel hernimmt, erfährt man zum leichten Bedauern der Rezensentin nicht. "Doch dem Vergnügen an Nafisis Buch tut das keinen Abbruch." Denn Thema ist ganz allgemein die untergründige Kraft der Literatur. Und auch die nebenbei erzählten Lebensgeschichten von Nafisis Studentinnen halten die Rezensentin in Bann. Nafisi leistet in den Augen der Rezensentin ein "leidenschaftliches Plädoyer" für die Welt der Bücher, die dem Totalitarismus gegenüber steht. Zudem beklage Nafisi den Verlust der Heimat, "nicht nur der geografischen, sondern vor allem der kulturellen.?
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.08.2005
Ob Literatur eine subversive Kraft hat und in einem ideologisierten Staat etwas bewirken kann, fragt sich Katajun Amirpur nach der Lektüre von Azar Nafisis Bericht über ihren geheimen Lesezirkel in Teheran. Und sie beantwortet diese Fragen ebenso wie die iranische Professorin für Englische Literatur mit "ja". Das veranlasst die Rezensentin dazu, über die verbotene Literatur im Iran zu referieren und über die Schwierigkeit, sie trotzdem öffentlich zu lesen und zu diskutieren. Nafisi tat ebendies, und als Ergebnis präsentiert sie in ihrem Buch, wie Literatur auf sieben unterschiedliche Frauen wirkt. Die Rezensentin lobt die "einfühlsame" Art, mit der sich die Autorin den Lebensgeschichten der Studentinnen nähert und die "magische Kraft der Bücher" einfängt. Beeindruckt liest sie auch von dem Leben während und nach der Islamischen Revolution, über Städtekrieg, Besetzung und vor allem die Schicksale vieler unschuldig verhafteter junger Frauen. Und ist begeistert davon, dass Literatur diesen Menschen "eine neue Welt" zu eröffnen vermag.
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